60
ihr ſpeiſe und dann abreiſe.„Sie können mir das nicht verübeln,“ ſagt ſie zu mir,„daß ich Sie nur einlade, hier zu bleiben, wenn Juliette da iſt. Was würde man denken, lieber Freund, was hätte man nicht Alles zu ſagen das Recht, wenn Sie hier, wo ich allein wohne, bei mir bleiben würden 2... das hieße alle Rückſichten auf die Seite ſetzen.“
Sie kann recht haben, allein ich will es nicht zugeben; ich begnüge mich damit, zum Eſſen zu drängen, denn bei Tiſche, wo jeden Augenblick ihre Magd um uns iſt, kann ich ihr nichts von Liebe ſagen.
Nach dem Eſſen erhalte ich noch einen Spazier⸗ gang im Garten. Die Luft iſt ſchwül, ſie kündigt einen Sturm an; um Kühle zu finden, führe ich Au⸗ guſtine gegen jenes hübſche Wäldchen, das ich ſeit langer Zeit im Auge hatte; ſie will nur unter der Bedingung hineingehen, daß ich nicht von Liebe mit ihr rede. Ich verſprach Alles und nun ſind wir unter den Bäumen, deren Aeſte uns um die Köpfe ſchla⸗ gend, den Sonnenſtrahlen keinen Durchgang laſſen.
Auguſtine ſtützt ſich auf meinen Arm, wir gehen einige Minuten lang weiter. Ich ſpreche nicht, allein das Schweigen iſt manchmal beredt.
„Ei, mein Herr, warum ſprechen Sie nicht?“ ſagt ſie zu mir.
„Sie haben mir verboten zu ſprechen, Madame.“
„Können Sie nur von einem Gegenſtande reden?“
„Bei Ihnen nimmt nur ein einziger meinen Geiſt ein.“


