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Nachdenken ihr Schmerz legen wird. Sie wird ein⸗ ſehen, daß ſie einem Manne, der ſich aufführt wie„ Jenneville, keine Treue ſchuldig iſt. Ueber die Treu⸗ loſigkeit, der er ſie fähig glaubt, zu ſerzen und zu lachen!.. Er empfindet alſo gar keine Liebe mehr für ſie. Wir iſt, als ob er mir darum nur noch mehr zuwider wäre; ich hätte ihn geachtet, wenn er Händel mit mir angefangen haben würde.
Während ich an dieſe peinliche Scene denke, ver⸗ geſſe ich die reizende Unterhaltung nicht, die ihr vorangegangen war. Auguſtine liebt mich! Warum ſollte das eben Vorgefallene ihre Gefühle verändern? Nein, ich will ſie tröſten... ihre Thränen trocknenz und da ich, ohne es zu ſein, für ihren Geliebten angeſehen werde, watum ſollte ich nicht auch den Lohn für meine Treue und Liebe erhalten?... In den Augen der Welt iſt ſie deßhalb nicht ſtrafbarer, und kann ſie ſich jetzt noch ein Verbrechen daraus machen, ihren Mann nicht mehr zu lieben?
Ich werfe mich auf einen Stuhl und denke an das, was ſie mir vor dieſem unheilvollen Beſuche geſagt hat; ich habe meine Thüre nicht aufmachen hören, aber als ich die Augen erhebe, bin ich ganz erſtaunt, eine kleine, mir unbekannte Frau, die neugierige Blicke im Zimmer herumwirft, vor mir ſtehen zu ſehen.«
„Wo iſt denn die Dame, die meiner be⸗ darf?“ fragt ſie.
„Ihrer Hülfe, Madame?“
„Allerdings, mein Herr; man hat mich geholt „„man hat mir die Klingelſchnur heruntergeriſſen,


