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und ſich bei mir als einem Freunde Raths zu erholen. Ich weiß, daß es Ihnen ſehr gleichgiltig iſt, ob ich Jemand liebe, wofern nur Sie es nicht ſind, da Sie mir verboten haben, mit Ihnen von Liebe zu reden. Sie dürfen zufrieden ſein, Madame, ich habe Ihnen gehorcht; um Ihnen aber noch mehr Genüge zu thun, will ich alle Frauenzimmer lieben, will zu gefallen ſuchen, heirathen, dann werden Sie mich vielleicht mit all' Ihrer Freundſchaft beehren.“
Auguſtine will lächeln, aber ihre Stimme iſt be⸗ wegt, und ſie ſteht ſchnell auf, indem ſie mir zur Antwort gibt:„Sie thun ſehr wohl daran, ich fordere Sie dazu auf.“
Sie will fortgehen, ich halte ſie zurück, knie vor ſie nieder und ſage leiſe:„Wiſſen Sie nicht, daß ich keine andere mehr lieben kann als Sie! Bloß aus Gehorſam gegen Sie zwinge ich mich, Ihnen meine Empfindungen zu verſchweigen! Sollten Sie mich aber auch von ſich verbannen, ich muß Ihnen doch wieder⸗ holen, daß ich Sie liebe.. daß ich Sie verehre... daß ich bloß Sie lieben will.“
Sie blickt mich an, aber mit keinem Grolle. Ihre Augen ſchwimmen in Thränen, ſie lächelt mir zärtlich zu:„Was! Sie lieben mich noch immer?“
„Seitdem ich Sie kenne, habe ich meine Geſin⸗ nung nicht geändert.“
„Ach! ich habe im Gegentheil die meinige geän⸗ dert: ich, die ich glaubte, nicht mehr lieben zu kön⸗ nen, ich, die ich anfangs durch Ihre Beſuche bloß Paut de Kod. IIn. 1


