. 156 Zimmer hinauf und ſchreibe bloß folgende zwei Linien: „Wollen Sie mich gütigſt anhören, Madame, dann 7 werden Sie ſehen, daß man mir nicht aus Liebe einen Beſuch gemacht hat.“
Ich ſetzte die Adreſſe darauf, eilte hinunter, und zwar immer vier Stufen auf einmal; ohne daran zu
denken, das Licht mit zu nehmen, will ich den Brief meinem Portier einhändigen. Unten renne ich raſch gegen ſein Stübchen, und da ich nicht ſah, daß die Kellerthüre offen ſtand, ftürzte ich hinunter und ſtieß mit der Stirne ſo heftig an eine Ecke, daß ich be wußtlos auf das Fflaſter niederfiel.
Als ich wieder zur Beſinnung komme, liege ich in meinem Bett, mein Zimmer iſt ſchwach beleuchtet, eine alte Frau, in der ich die Schweſter des Portier erkenne, ſitzt neben meinem Lager, der Kopf thut mir furchtbar weh.
„Man hat Ihnen zur Ader gelaſſen,“ ſagt die alte Frau zu mir,„es war die höchſte Noth. Suchen Sie, daß Sie ſchlafen können, denn Sie haben einen fürchterlichen Stoß erhalten.“
Ach! ich erinnere mich jetzt; ich muß mich alſo in mein Schickſal ergeben und liegen bleiben. Ich hatte eine ſehr unruhige Nacht, ein ſtarkes Fieber, das durch meinen Mißmuth noch wuchs. Am folgenden Tag werden jedoch meine Gedanken wieder klarerz ich erinnere mich an meinen Brief... laſſe meinen Portier kommen. Ach! er hat ihn zu meinen Füßen gefunden und ihn in ſeine Taſche geſteckt, anſtatt ihn an ſeine Adreſſe zu überbringen; er behauptet, es ſei


