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„Ach! man hat wohl den Brief, der da liegt, für Sie gebracht... aber dieß iſt ſeit...“
„Einen Brief? Für wen?“
„Für den Herrn.
„Und Sie geben ihn mir nicht?“
„O! ich hatte immer noch Zeit.. ich wußte ge⸗ wiß, daß ich den Herrn noch treffen würde, wenn er
heute Nacht nach Hauſe käme.“
Ich war ſchon Willens, den Schlingel am Hals zu nehmen, halte mich aber zurück und laſſe mir den Brief geben. Es iſt ihre Hand.. ach! nun werde ich den Grund ihres Benehmens erfahren.
„Ich reiſe morgen auf das Land ab; bemühen Sie ſich nicht mehr in meine Wohnung, Sie würden mich doch nicht mehr dort finden. Ich bin es überzeugt, daß Sie während meiner Abweſenheit keine Langeweile bekommen werden; denn wenn man Beſuche von Damen erhält, ſo vergeht die Zeit ſchnell. Leben Sie wohl, ich gratulire Ihnen zu Ihrer Liebſchaft.
Auguſtine.“
Beſuche von Damen!.. Meine Liebſchaft!... Alles liegt nun am Tage! ſie weiß, daß Ninie mich beſucht hat und deßhalb verbittet ſie ſich meine Be⸗ ſuche. Die Eiferſucht verurſacht alſo ihren Zorn... Ach! ich athme wieder freier! dieſe Enideckung thut mir wohl; aber ich muß mich rechtfertigen. Sie ſoll nicht auf das Land verreiſen, ohne mich angehört zu haben... ich will ihr auf der Stelle ſchreiben, heute Abend wird ſie meinen Brief haben.
Ich nehme das Licht meines Portier, gehe in mein


