5
davor; bisweilen denke ich an den Eheſtand zurück.. wie unterhaltend das iſt!..
„Sie waren aber doch in ſie verliebt, als Sie Ihre Gemahlin heiratheten?“
„Ich glaube, ja.. aber das hat nicht lange ge⸗ dauert.“
„Wenn es fortgedauert hätte, wären Sie dann nicht eben ſo glücklich geweſen, ja noch glücklicher, als Sie es jetzt ſind 2... Sehen Sie, Jenneville, über kurz oder lang wird man der Liebe für das ſchöne Geſchlecht im Allgemeinen überdrüſſig.. man fühlt, daß es angenehmer, natürlicher iſt, bloß Eine zu lieben.. Sie empfinden dieß bereits, da Sie der Frau von Remonde treu anhängen.. aber es wäre beſſer, glaube ich, ſeiner Frau treu zu ſein als ſeiner Geliebten, ja, ich bin es überzeugt, daß man glücklicher leben würde.“
„Mein lieber Deligny, Sie ſprechen wie ein noch nie verheirathet geweſener Mann!... Wenn Sie wüßten, wie dieſe Damen anſpruchsvoll, beſchwer⸗ lich, langweilig werden, ſobald ſie mit Einem ver⸗ bunden ſind! Ihr Hauptverlangen iſt vor Allem, un⸗ umſchränkt zu gebieten und uns zu ihren Sklaven zu machen. Wenn wir einen feſten Charakter zeigen und uns nicht an der Naſe herumführen laſſen wollen, dann ſind wir Thrannen! Ungeheuer!... O, beim Henker! wenn ich vom Morgen bis zum Abend dem Willen meiner Frau hätte folgen wollen, dann hätten wir ſehr gut mit einander gelebt; ſie hätte mich viel⸗ leicht angebetet!“


