vringe, ſagte er, ſei für ihn eine Ewigkeit von
Qualen, er finde ſich bloß an meiner Seite glück⸗ lich; ich theilte ſeine Liebe und die Zukunft ſtrahlte mir unter den lachendſten Farben entgegen. Endlich heiratheten wir einander. Mein Vermögen und das Jenneville's war gleich groß und mein Oheim glaubte ſo mein Glück geſichert.
„Während der erſten ſechs Monate nach unſerer Hochzeit zeigte Jenneville dieſelbe Zärtlichkeit gegen mich, dieſelbe Inbrunſt, dieſelbe Liebe. Nach Ver⸗ fluß dieſer Zeit fing er an, Luſtpartien zu machen, an denen ich nicht Theil nahm. Ach, ich wußte nicht, daß dieß ſo ſein mußte und daß ein Gatte ſich bei ſeiner Frau nicht immer unterhalten kann. Ich kannte die Menſchen nicht und noch weniger das menſchliche Herz. Ich wußte nicht, daß man, um von ſeinem Gatten wohl gelitten zu werden, ihm volle Freiheit laſſen muß. Dieſe Idee hatte ich mir nicht von der Ehe gemacht, ſondern ich hatte mir einen Roman eingebildet, der ſich nicht verwirklichte. Ich hatte das Unrecht begangen, mich bei meinem Gatten zu beklagen, ihm übel zu nehmen, daß er ſich ohne mich unterhalten könne. Das war mein erſter Fehler.. ich habe ihn theuer büßen müſſen.
„Meine Vorwürfe machten meinen Gatten miß⸗ launig; er war nicht mehr ſo liebenswürdig gegen mich. Aus Furcht, irgend ein anderes Frauenzimmmer raube mir ſein Herz, wollte ich ihn überall hin be⸗
gleiten, beſtändig ihm zur Seite ſein, kurz⸗ ich war eiferſüchtig! Das war mein zweiter Fehler und zwar
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