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geſchildert!.. Da Sie nun aber wiſſen, daß ich die Frau bin, mit der ihr Mann nicht leben konnte, ſo hören Sie mich an, ich beſchwöre Sie ach, es würde mir leid thun, wenn ich Ihre Freundſchaft verlöre.. hören Sie mich an, dann ſollen Sie über mich urtheilen.“
Bereits ſind alle meine Entſchlüſſe verſchwunden Ich betrachte Auguſtine, ſeufze, erwarte zitternd, was ſie mir ſagen wird, nicht um zu urtheilen, ob ſie der ſchuldige Theil war, ſondern um zu wiſſen, ob ſie den, welcher ſie verlaſſen hat, immer noch liebt.
„Jenneville wird Ihnen geſagt haben, Herr De⸗ ligny, daß er ſich mit vierundzwanzig Jahren ver⸗ heirathet hat; ich war zwanzig Jahre alt, als ich ihn heirathete. Ich war eine Waiſe und weilte bei meinem Oheim, der mein Vormund war. Manch⸗ mal habe ich Jenneville in Geſellſchaft geſehen. Mein Oheim erlaubte mir wenig Vergnügungen und in der Einſamkeit dachte ich gerne darüber nach, wie ich mir eine Zukunft nach meinem Geſchmack ſchaffen
wolle. Ich ſah kein größeres Glück, als einen Mann
nach eigener Wahl zu heirathen, bloß für ihn zu leben, keine anderen Gedanken, keine anderen Wünſche zu haben als die ſeinigen. Dieſe meine Jugend⸗ träume, glaubte ich, würden ſich verwirklichen, als Jenneville mir den Hof machte. Er gefiel mir, und ſchwor, mich ſein ganzes Leben lang zu lieben. Da⸗ mals war er ſo zärtlich, ſo liebenswürdig, ſo ver⸗ liebt.. Jeder Augenblick, den er fern von mir zu⸗


