Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
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Mein Her, es iſt unrecht, mich nemmer zu be⸗

ſuchen, wen Sie mich nemer liebe, ſo miſſe Sie mers ſage, ich warte heut auf Sie, daß ich ſieh⸗ woran ich bin. Ninie.

Das iſt ein Billet, welches weder nach Sevigné noch nach Heloiſe riecht; Ninie iſt in ihrem Style weder romantiſch, noch in ihrer Orthographie klaſ⸗ ſiſch; ſie ſpricht beſſer als ſie ſchreibt. In der That

verfehlte ich mich gegen dieſe Kleine; ſeit acht Tagen habe ich ſie nicht mehr beſucht, ich hätte ihr frei her⸗ ausſagen ſollen: ich wolle ihr Geliebter nicht mehr ſein, und ich laſſe ihr freie Wahl, dann hätten wir uns als gute Freunde getrennt, denn ich glaube nicht, daß Ninie je ſehr in mich verliebt geweſen iſt. In⸗ deſſen muß ich mich über dieſes Brieſchen wundern; ſie hat einen zu ruhigen Charakter, als daß ſie ein ſolches Billet ſchreiben konnte, ohne dazu bewegt wor⸗ den zu ſein; ſie wird Charlotte wiedergeſehen haben. Ich muß aber mit ihr abmachen und will nun in die Straße Aubry⸗le⸗Boucher gehen.

Ich komme bei meiner kleinen Franſenmacherin an; wie ich an die Thüre klopfe, höre ich hitzig reden; ich vernehme die Stimme Charlottens; da das Zim⸗ mer klein iſt, ſo iſt es ſchwierig, nichts zu hören.

Du biſt eben eine Gans, Ninie, Du kannſt mit den Herren nicht umgehen. Sieh', dein Paul ſpielt Dir ſchöne Streiche, und anſtatt daß Du Dich rächſt, pleibſt Du in Deinem Zimmer an der Arbeit ſitzen; auf dieſe Art verderbt man die Männer. Du ſiehſ daß er trotz des Briefes, den ich Dich ſchreiben hieß