Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
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wehr zu überwältigen, als daß ich von ihrer Treue nicht überzeugt ſein dürfte.

Ich könnte Jenneville darauf erwiedern: daß aus dem langen Verzug, von einer Frau geliebt zu wer⸗ den, die lange Dauer der Liebe nicht erfolge, aber ich bin ſtill, denn es gibt Dinge, welche man nicht ſagen ſoll, ſelbſt ſeinen Freunden nicht.

Morgen iſt bei Frau von Remonde Empfangs⸗ tag, entgegnete Jenneville,ich will Sie ihr vor⸗ ſtellen. wir wollen miteinander diniren.. ich will Sie abholen; dann führe ich Sie Abends zu meiner Herminie... Es bleibt dabei, leben Sie wohl. Ich gehe zu meinem Juwelenhändler und laſſe ihr einen Ring machen, worin ſie Haare von mir legen wird ſie hat mir auch von den ihrigen verſprochen... Mein Freund, gegenſeitige Anbetung iſt entzückend, nie hatte ich es empfunden.

Jenneville entfernt ſich ſingend; er iſt ſehr ver⸗ liebt, denkt aber nicht daran, daß er es ſchon hun⸗ dertmal ſo war, und daß dieß immer ewig dauern ſollte. Indefſen füple ich ſelbſt das Angenehme, ſich von einer liebenswürdigen, hübſchen, geiſtreichen Frau bevorzugt zu ſehen, deren Eroberung uns Ehre macht, und mit der man ſich ohne Furcht im Amphi⸗ theater der Oper oder ſonſtwo zeigen darf.

In dieſem Augenblick bringt man mir einen Brief; ich kenge die Handſchrift nicht, die Adreſſe iſt kaum lesbar.. Wir wollen ihn öffnen... Ach, mein Gott! was für Buchſtaben, welche Orthographie! Wie kann man dieß entziffern? Glücklicherweiſe iſt er nicht lang:

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