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„O bitte, denke das nicht,“ rief ich aus, denn ſie hatte ſo ſchmerzlich geſprochen, daß ich es kaum ertragen konnte. „Ich ſchaffte mir mein Elend ſelbſt, liebſte Mutter, Du hatteſt nichts damit zu thun.“
„Das denkſt Du nur, mein liebes Kind,“ antwortete ſie mit ihrer gewöhnlichen Zärtlichkeit,„aber wenn meine Freun⸗ dinnen Dich trüb und traurig und offenbar unzufrieden ſehen, und wenn Du Dich nach Freuden ſehnſt, die London Dir nicht bietet, wenn Du bei Träumen der Vergangenheit weilſt und Dich mit Gedanken beſchäftigſt, die Deinen romantiſchen Neigungen entſprechen, was werden ſie denken? werden ſie nicht mein geſundes Urtheil in Frage ſtellen? Und überdies wiſſen ſie, wie ſehr ich das Landleben dem Leben in London, die häuslichen Freuden denen der Geſell⸗ ſchaft vorziehe, und ſie können mit einiger Wahrſcheinlichkeit vermuthen, daß ich die wahren Intereſſen meiner Kinder aus den Augen geſetzt habe, um meine ſelbſtſüchtigen Wünſche zu befriedigen.“
„Das können ſie, das werden ſie nicht denken,“ ſagte ich leidenſchaftlich,„wer ſolche Schlüſſe zieht, kann Dich nie gekannt haben.“ Würdeſt Du mir nicht beigeſtimmt haben, liebe Mary, und kannſt Du Dir nicht denken, wie elend mich Mama's Worte machten?
„Mein liebes Kind,“ erwiderte ſie mit einem Lächeln, „ſie werden nicht glauben, daß ſie mich nicht kennen, ſie werden vielmehr wähnen, daß ſie ſich in ihrer Anſicht getäuſcht haben müſſen, daß ich nicht bin, wofür ſie mich vor Jahren gehalten haben. Der Charakter einer Mutter, meine Emmeline, wird häufig nach dem Benehmen ihrer Kinder beurtheilt, und der Schluß iſt im Allgemeinen richtig, wiewohl es Ausnahmen von jeder Regel giebt und viele Mütter durch das leichtſinnige oder verbrecheriſche Benehmen eines ungehorſamen Kindes mit Unrecht in der Achtung der Welt herabgeſetzt worden ſind. Ich bin ſeit ſechszehn Jah⸗ ren ſo völlig fremd in der Londoner Geſellſchaft geweſen, daß es mehr von Dir und Karoline abhängt, ob ich in der Achtung meiner Freundinnen und der Welt ſteigen oder


