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ganz vorüber war. Dein Onkel und ich haben Deinen Geburtstag nicht vergeſſen, meine Ellen, wiewohl es ſo ſchien.“ Und indem ſie das Packet öffnete, zeigte ſich ein ſehr hübſches Juwelenkäſtchen, das die Uhr, das Kreuz und alle die andern Schmuckſachen, welche Ellen in Mrs. Lang⸗ ford's Hände gelegt, und nach denen ſie aus Mangel an Muth nie wieder gefragt hatte, und die wenigen, die ihre Tante für ſie aufgehoben hatte, enthielt. Aber ſie waren ſo hübſch geordnet und ſo ſchön polirt, daß ſie ſie kaum wiedererkannte.
„Hatteſt Du keine Neugier, welches Schickſal Deine Schmuckſachen gehabt, daß Du niemals darnach fragteſt?“
„Ich wußte, ſie waren in beſſeren Händen, als in den meinen,“ erwiderte Ellen mit bebender Lippe.„Ich fühlte, ich hatte kein Recht mehr an ſie, nachdem ich den Verſuch gemacht, ſie zu verkaufen.“
„Ich weiß, es haften einige ſehr ſchmerzliche Erinne⸗ rungen an dieſen Schmuckſachen, meine liebe Ellen, und deshalb wollte ich ſie nicht eher Dir ſelbſt wieder anver⸗ trauen, bis ich ein Geburtstagsgeſchenk hinzufügen könnte“ — und indem ſie den oberen Deckel aufhob, nahm ſie eine gol⸗ dene Kette und ein Paar Armbänder von der ſchönſten Ar⸗ beit heraus— damit Du die traurigen Erinnerungen an die einen über den andern vergißt. Ich habe blos eine Be⸗ dingung zu machen,“ fügte ſie mit ernſterem leiſerem Tone hinzu, als Ellen ihren Dank auszuſprechen verſuchte, aber nur ihre Tante umarmen und weinen konnte.„Wenn Du jemals wieder in die Verſuchung kommſt, ſie verkaufen zu wollen, ſie mir zu bringen, ich will ſie erſt taxiren.“
„Du ſollſt ſogleich in Ketten gelegt werden, Ellen!“ ſagte Emmeline fröhlich, als ihre Couſine das verlangte Verſprechen gab.„Mama, lege ſie ihr an, ich möchte ſehen, ob ſie ſo intereſſant ausſieht, wie Zenobia in ihren goldenen Ketten.“
„Ich dächte, Du hätteſt ein hübſcheres Bild finden kön⸗ nen, Emmeline,“ erwiderte Emmeline lächelnd, indem ſie


