499
Du für ſie und ihre Schweſter Beſchäftigung gefunden, daß ſie der Familie hülfreiche Hand leiſten könnte,“ entgegnete Caroline.„Ich freute mich wirklich über die Art und Weiſe, wie ſie ſprach, und ſie erröthete ſo hübſch, als Miß Harcourt die außerordentliche Nettigkeit ihrer Arbeit lobte.“
„Ach, Mama, wenn Du nur hören könnteſt, was ſie alles von Dir ſagen,“ fuhr Emmeline wieder fort, die nicht ruhig ſein zu können ſchien und mit demſelben Eifer von einem Gegenſtand zum andern überſprang.„Wenn Du nur ge⸗ hört hätteſt, wie die alte Frau ihr Erſtaunen und ihren Stolz ausſprach, als ſie Dich in ihre frühere elende Hütte eintreten ſah und Du Dich auf einen alten Kaſten niederſetzteſt und ſie aufforderteſt, zu erzählen und alle ihre Sorgen mit an⸗ hörteſt, wie wenn ſie Deines Gleichen geweſen wäre, und als Du ſolchen Troſt und ſolche Hoffnung zurückließeſt, wie ſie ſeit vielen Tagen nicht gehabt hatte. Sie weinte wirklich, als ſie es erzählte, und ich weinte auch, weil ſie ſo von mei⸗ ner Mutter ſprach. O, liebe Mutter, wie ſtolz ſollten Deine Kinder ſein, daß ſie eine Mutter haben, die von den Ar⸗ men und den Reichen ſo geliebt, ſo geehrt wird, wie Du.“
„Schmeichlerin!“ antwortete Mrs. Hamilton ſcherzend, indem ſie ihre Hand liebkoſend ihrem Kinde auf den Mund legte, indem Emmy vor ihr niederkniete.„Ich will ſolches Lob nicht hören, ſelbſt von Dir nicht. Glaube mir, mein liebes Kind, Liebe und Achtung zu gewinnen iſt ſo leicht, ſo ange⸗ nehm, daß wirklich kein Verdienſt darin liegt. Wir ſollten nur dankbar ſein, wenn uns eine ſolche Stellung und ſolcher Einfluß zu Theil wird, die uns geſtatten, in ausgedehnterem Maaße an Andere zu denken, ohne uns ſelbſt dadurch zu ſchaden.“
„Ja, aber, Mama, viele Leute thun viel Gutes, aber dennoch ſind ſie nicht beliebt.“
„Vielleicht weil ſie in dem ernſten Streben, viel Gutes zu thun, nicht genug an Kleinigkeiten denken, namentlich an die lebendige Theilnahme für die Gefühle Anderer, die das wahre Geheimniß iſt, Liebe zu gewinnen, und ohne welche
32*


