485 Stück Proſa in der Welt wäreſt, würdeſt Du ſelbſt in mei⸗ nem Geſicht Poeſie finden. Denn ſieh, der Künſtler blickt nicht mehr Auf Züge ſtumm und kalt, Er ſteht verwirrt und ſieht erſtaunt Auf Reize mannigfalt. Erwärmt hat ſich der Stein, berührt Gleichſam von Schöpferkraft, Und um den Mund ein Lächeln ſpielt, Wie nie ein Bildner ſchafft.
„Das iſt es, Caroline, was Du hätteſt fühlen ſollen. Wenn ich Gedichte auf mein eigenes Geſicht machen kann—“
„Ein Gedicht auf Dich ſelbſt! Ich dachte, Du citirteſt einen Vers aus einem alten Dichter, den ich nicht kenne. Ich bitte um Entſchuldigung! Ich wußte nicht, daß Deine Lieblingsmuſe Dich zur Dichterin gemacht.“
„Auch ich wußte es bis zu dieſem Augenblicke nicht. Sie war bange um ihren Ruf in der Nähe einer ſolchen Verehre⸗ rin der Proſa und erfüllte mich daher mit poetiſcher Begei⸗ ſterung. Ich bin ihr außerordentlich verbunden, aber wenn es mir auch nicht gelang, Dich poetiſch zu ſtimmen, Caroline, ſo hätteſt Du doch Cowper nachahmen und anſtatt das Sopha den Tiſch beſingen können. Es hätte ſich wirklich ein ganz hübſches Gedicht daraus machen laſſen. Siehe einmal die mannichfachen und geſchmackvollen nützlichen Dinge, die auf einem Tiſch liegen, und da ſteht er mitten unter ihnen kalt, gefühllos, gerade wie Einer, den wir mit Gunſtbezeugungen überhäufen, und der ſich ſo egviſtiſch auf ſich ſelbſt beſchränkt, daß er gegen alles Andere gleichgültig iſt. Nun, Caroline, bringe das in Reime, oder wenn Du es vorziehſt, in reim⸗ loſe Verſe; es iſt wenigſtens eine neue Idee.“
„So neu,“ erwiederte ihre Schweſter lachend,„daß ich ſie an Perey zu ſchicken und ihn zu bitten denke, er möge eine griechiſche oder lateiniſche Ode daraus machen. Sie wird wenigſtens großartiger werden, als meine engliſche Bearbei⸗ tung. Du haſt Mama durch Deine tolle Laune ſo über⸗ raſcht, Emmeline, daß ſie wirklich ihre Arbeit weggelegt hat.“ „Wie freue ich mich!“ erwiderte Emmeline, indem ſie zu


