Druckschrift 
Erziehungs-Resultate : eine Erzählung für Mütter und Töchter / nach dem Englischen von Grace Aguilar
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32

wirklich vergötterte und der ihre Liebe ſo zärtlich und warm erwiederte, wie es ein heiterer, offener, glücklicher Knabe zu thun vermochte; doch ſelbſt ſeine Ferien waren Zeiten, in denen ſeine Schweſter ebenſoviel zu leiden hatte, als ſie ſich freute, da er und Eleanor ſich beſtändig miteinander zankten. Emmeline, die glücklich in Mrs. Harcourt's Geſellſchaft war, unterwarf ſich ohne Widerſtreben dem entſchiedenen Ueber⸗ gewicht ihrer Schweſter und gab ihr in Allem nach, wo es nicht ihrem Gewiſſen widerſprach. Aber dies ließ ſich von Charles nicht erwarten, der trotz der Bitten ſeiner älteſten Schweſter für ihre Rechte in die Schranken trat und erklärte, daß, wenn er zu Hauſe ſei, Eleanor nicht das ganze Haus beherrſchen ſollte. Eleanor ſtritt ſich daher zuerſt mit ihm und wendete ſich dann an ihren Vater, der ihr Recht zu geben pflegte, ohne den ſtreitigen Fall anzuhören, und Charles herbe Verweiſe gab, deſſen ſtolzer Geiſt ſich empörte, und außer Stande, mit ſeines Vaters ſchwachem Charakter Nach⸗ ſicht zu haben, wie er es hätte thun ſollen, antwortete er in reſpectwidriger Weiſe, und es folgten Worte auf Worte, bis Charles heftig erzürnt in Emmelinens Zimmer ging, und ſein Vater, wiewohl er ſeinen Sohn wirklich liebte und ſtolz auf ihn war, wünſchte, daß die Ferien vorüber wären und Charles wieder in ſeiner Schule ſei.

So kleinlich häusliche Zwiſte in der Beſchreibung er⸗ ſcheinen mögen, ſo verſcheuchen ſie doch in der Wirklichkeit alles dauernde Glück. Emmeline konnte es ertragen, daß ihr Vater Eleanor ihr vorzog, daß er aber gegen ihren lieben Charles ungerecht war und daß Charles das Uebel durch Widerrede und Eigenſinn vergrößerte, das machte ihr ſchwere Sorgen und nöthigte ſie oft, in die Einſamkeit ihres Zimmers zu fliehen, um nicht in Vertheidigung ihres Bruders ihre Pflicht gegen ihren Vater zu vergeſſen. Aber an ihr waren Mrs. Harcourt's Lehren geſegnet worden. Emmeline, ſo jung ſie noch war, hatte ſich den Geiſt wahrer, herzlicher Frömmig⸗ keit, den ſie ihrer jugendlichen Pflegbefohlenen einzuflößen geſucht hatte, mehr noch durch Beiſpiele des täglichen Lebens, als durch Lehren, zu eigen gemacht, und er ſetzte ſie in den