20
willen behandelt ihn nicht hart, Ihr würdet ſeinen edlen Geiſt brechen, wenn Ihr es thätet.“
„Theuerſte Eleanor, gieb Dich nicht ſolchen Befürchtun⸗ gen hin! Bin ich nicht ſo gut Mutter wie Du, und denkſt Du, wenn Deine Kinder die meinen werden, daß ich einen Unterſchied zwiſchen ihnen und den Meinen machen werde? Du ſchenkteſt mir ſchon in früheren Jahren Vertrauen, Du wirſt es mir doch jetzt nicht entziehen?“
„Ja, ja, ich vertraue Dir, Du warſt immer gut und nachſichtig gegen mich, als ich es nicht verdiente. Aber mein armer Edward! Es iſt ſo ſchwer, mich von ihm zu trennen, und er liebt mich ſo zärtlich!“
„Und er wird Dich auch ferner lieben, theuerſte Eleanor. Und glaube mir, Alles, was Du ihm geweſen biſt, werde auch ich ihm ſein. Ich habe die hingebende Liebe aller mei⸗ ner Kinder gewonnen und ich hoffe, auch die Liebe der Dei⸗ nigen zu finden, und dann wird es eine leichte Mühe ſein, ſie ſo glücklich zu machen, wie die meinen.“
„Edward's Liebe wirſt Du ſehr raſch gewinnen, wenn Du ſie nicht bereits haſt, aber mit Ellen wirſt Du mehr Mühe haben, ſie iſt ein ſeltſames, kaltes, unliebenswürdiges Kind.“ „Sind die Anlagen Deiner Kinder ſo ungleich? Ich hätte Ellen nicht für kalt gehalten. Sie iſt ſchüchtern, aber Dies, dächte ich, würde ſich verlieren, wenn ſie mich beſſer kennen lernt.“
„Es iſt nicht Schüchternheit, ich habe ſie nicht anders als kalt und zurückhaltend von Jugend auf gekannt. Ich konnte nie daſſelbe gegen ſie fühlen wie gegen Edward, und deshalb muß Etwas in Ellen liegen, was mich dazu kom⸗ men ließ.“
Mrs. Hamilton dachte nicht ſo, aber ſie antwortete ſanft: „Biſt Du auch gewiß, meine Liebe, daß Du die Charaktere Deiner beiden Kinder in gleichem Maße ſtudiert haſt? Du weißt, es giebt Fälle, die mehr Fleiß und Sorgfalt erhei⸗ ſchen als andere.“
„Ich habe niemals einen ſo großen Fleiß entwickelt, wie


