19
würfe, die ſie ſich oft ſelbſt machte, hatten ſie zu dem Bewußt⸗ ſein gebracht, um wieviel beſſer Mrs. Hamilton ſei. Sie hatte niemals eine Frau gefunden wie ſie— ſo gut, ſo fromm und doch ſo beſcheiden, und die Liebe wie die tiefe Erſchüt⸗ terung, womit ihre Schweſter, die ſich gewöhnlich ſo ſehr zu beherrſchen wußte, ſie wiedergeſehen hatte, konnte dieſe Ge⸗ fühle natürlich nur vermehren.
„Sie und Emmeline werden viel mit einander zu ſpre⸗ chen haben,“ ſo hatte ſie Mr. Myrvin angeredet, als er Mrs. Hamilton vorgeſtellt wurde.„Sprechen Sie, ſoviel Sie wollen, und nehmen Sie keine Rückſicht auf mich,“ fuhr Mrs.
Fortescue fort,„wenn Emmeline bei mir iſt, kann ich die
Reizbarkeit unterdrücken, welche Sie ſo häufig aus meiner Nähe geſcheucht. Ich weiß, ſie iſt gut, wollte Gott, ich wäre immer ſo wie ſie geweſen!“ Und der leidende Ton, mit dem ſie die letzten Worte ſprach, ſtand in ſchmerzlichem Kontraſt mit ihrer ſonſtigen Weiſe.
Mr. Myrvin antwortete beruhigend und zum erſten Male nahm ſie ſeine Worte geduldig hin.
Nachdem Mrs. Fortescue zuerſt theilnahmlos zugehört hatte, intereſſirte ſie ſich allmälig für die Unterhaltungen zwiſchen ihm und Mr. und Mrs. Hamilton, und ſo bereitete ſich allmälig in ihren Gedanken eine Veränderung vor, die auf jedem anderen und unmittelbareren Wege vergeblich er⸗ ſtrebt worden ſein würde.
Eines Abends, als Mrs. Hamilton am Bett der Kran⸗ ken ſaß und ihr welkes Geſicht beobachtete und ſich die Tage der Jugend und der blühenden Geſundheit zurückrief, wo es ſchien, als wenn weder der Tod noch der Schmerz ſich einer ſo ſchönen und lieblichen Geſtalt nahen könne, umſchlang Edwatd, ehe er ſeinen Lieblingsbach beſuchte, feine Mutter und drückte ſeine roſigen Lippen auf ihre Wange, um ihr Lebewohl zu ſagen.
„Er wird Dich für alle Deine Sorge belohnen, theuerſte Emmeline,“ ſagte ſeine Mutter mit einem ſchweren Seufzer, als er das Zimmer verließ;„ich weiß, daß er Fehler hat, oder Ihr werdet es wenigſtens dafür halten, aber um meinet⸗
5.


