„Nein, Mama, dazu war keine Zeit, der Wagen fuhr ſo raſch wieder fort,— aber ſtille, ich höre unten ihre Stimme.“ Und er ſprang auf und horchte:„Ja, ja, ich habe recht gehört und ſie kommt herauf. Nein, es iſt blos Frau Morgan; aber nach Ihrem Geſicht zu ſchließen, iſt es die Tante,“ fügte er ungeduldig hinzu, als Mrs. Morgan ihn durch Zeichen zu bitten ſuchte, vorſichtiger zu ſein und ſeine Mutter nicht ſo aufzuregen.„Warum laſſen Sie ſie nicht heraufkommen?“ und indem er mit zwei Sätzen die ganze Treppe hinunterſprang, eilte er in das kleine Beſuchs⸗ zimmer der Frau Morgan, ergriff das Kleid der Dame und rief aus:„Sie ſind meine Tante, meine liebe Tante, kom⸗ men Sie hinauf zu Mama, ſie hat ſich ſchon ſo lange, ſo ſehr lange nach Ihnen geſehnt, und Sie werden ſie wieder geſund machen, liebe Tante!“
„O, daß es mir vergönnt ſein möchte, lieber Knabe,“ lautete die traurig⸗bewegte Antwort, und ſie eilte die Treppe hinauf.
Aber zu Edward's Kummer und Erſtaunen kannte er den erſchöpften Zuſtand ſeiner Mutter ſo wenig, daß der Anblick ſeiner Tante, wiewohl ſie einigermaßen darauf vor⸗ bereitet war, ihr Leiden zu vergrößern ſchien, anſtatt ihr Freude zu machen. Sie gab ſich krampfhafte Mühe, zu ſprechen, und erwiderte leidenſchaftlich die Umarmung ihrer Schweſter, dann wurde ſie ohnmächtig. Edward warf ſich entſetzt auf ſie und bat ſie, nicht ſo blaß auszuſehen, ſondern ſich zu ermuntern und mit ihm zu ſprechen. Ellen, mit einer Raſchheit und Entſchiedenheit, die ſelbſt in dieſem Augen⸗ blicke ihre Tante veranlaßte, ſie erſtaunt anzuſehen, wandte die gewöhnlichen Stärkungsmittel an, ohne eine beſondere Unruhe zu zeigen, und ein ungenauer Beobachter hätte ſagen können, daß ſie kein Mitgefühl habe; aber Mrs. Hamilton konnte nur einen Augenblick an Ellen denken, jedes Gefühl ging in der tiefen Bewegung unter, womit ſie auf die ver⸗ welkte Geſtalt und die veränderten Züge der geliebten Schwe⸗ ſter blickte, die ſie immer noch liebte, wiewohl ſie irre gegan⸗ gen war, die, als ſie ſie vor dreizehn Jahren zum letzten Male


