Teil eines Werkes 
2. Theil (1818)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

ließ, glaubten ſie, der Erſtere ſpreche, und liefen in aller Eile davon. Der Reiſende läuft ihnen nach, und ſchreit immer: Wartet! Wartet! aber je mehr er ſchrie, deſto mehr liefen ſie, und fielen vor Schre⸗ cken und Mattigkeit am Stadtthore, wie todtnieder.

Der Gold⸗ und der Roßkäfer. Eine Fabel.

Ein Gold⸗ und Roßkäfer begegneten ſich einan⸗ der. Willkommen, lieber Bruder, rief jetzt der Letz⸗ tere dem Erſteren zu. Bruder? antwortete der Gold⸗ käfer Wie kann ich das ſeyn, da wir uns nicht gleichen. Du mußt wiſſen, fuhr der Roßkäfer fort, daß mein Weib geſtorben iſt, und daß ich deßwegen ein Trauerkleid anzog. Hat die Trauer ein Ende, ſo erſcheine ich, wie du wieder in Goldſtoff. Der Roßkäfer lud jetzt den vergoldeten Bruder zum Mit⸗ tagmahle ein, welches der Letztere, der Höflichkeit wegen, nicht ausſchlagen konnte. Der Gaſt erſchien, und merkte bald, daß man ihm nichts als Unrath auftiſche, ſagte daher zu dem Roßkäfer: Nun ſehe

ich wohl, daß du nicht mein lieber Bruder biſt, und rkroch, ſo ſchnell er konnte, weg, um ſich an ſeinen

Blumen ſchadlos zu halten⸗

beſchämte Luͤgner⸗

Ein Lügner, welcher einſt mit einigen munteren

Geſellen luſt wandelte, fragte dieſe, was das für

Thierchen wären, die auf den Blumen lägen, und den Thau wegſaugten. Bienen ſind es, antwortete einer, die uns Honig geben. Bienen ſind dieß⸗ erwiederte der Lügner: Ich war in einem Lande, wo ſie ſo groß, wie unſere Schafe ſind. Die derbe Lüge fiel auf, und man fragte ihn, wie groß die Bienenkörbe dort wären, doch alſo ungleich größer, als hier zu Lande? Rein erwiederte er, ſie ſind nicht