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eine Dachkammer, in welcher die Alte das Bild meines Vaters und die Briefe verſteckte, bis zu der Stunde, wo ſie dieſelben gebrauchen wollte. Und mehr und mehr, je älter ich ward, fühlte ich, wie ſie mich haßte. Sie iſt das leibhaftige Bild ihres Vaters, hörte ich ſie ein⸗ mal ſagen; und wenn ich ſie anſehe, ſo dreht ſich mir das Herz herum, und mit dieſen Händen möcht' ich ſie erdroſſeln, müßte ich ſie mir nicht zu einem höheren Zwecke ſparen... Gieb Dich zufrieden, ſchwarze Sarah, ſagten dann die Andern— das war nämlich ihr Name in jenem dunklen Hauſe— ſie wird bald alt genug ſein, um ſie zu unſerem Gewerbe gebrauchen zu können, und der Tag wird erſcheinen, ſchwarze Sarah, wo wir den Mörder vor unſer Tribunal bringen. Jo, ſagte ſie dann, ja; aber ich will ſie wenigſtens ſo elend machen, wie ihre Mutter, wie mein Kind geweſen; und ſo will ich ſie dann ihrem Vater, deſſen gottverfluchtes Geſicht ſie hat, einſt entgegenſchleudern. Bei Tage war das Haus leer; aber des Abends verſammelten ſie ſich, gingen ab
und zu, brachten Schmuckſachen und Geld und Kleider
und Nahrungsmittel und erzählten ſich, wo ſie es ge⸗ ſtohlen. Ihren Weg nahmen ſie durch ein kleines Bier⸗ haus, von welchem ein unterirdiſcher Gang zu dem Keller führte. Eines Abends nun befahl mir die Alte, mit ihr auszugehen; ich ſollte mich an eine Straßenecke ſtellen und ſingen, und wenn irgend ein Mann käme und mit mir zu ſprechen anfange, ſo ſollte ich ihn auffordern, mit mir zu gehen. Sie entfernte ſich und ich begann zu ſingen. Nicht lange, ſo kam ein Mann daher und fragte mich, wie ich heiße. Ich konnte kein Wort her⸗


