Teil eines Werkes 
1. Buch (1863)
Entstehung
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vorbringen und fing an zu weinen. Er aber umfaßte mich mit ſeinen rohen Armen und ſagte: ich ſolle es kurz machen und ihm mittheilen, wo ich wohne. Da kam die Alte aus ihrem Winkel, wo ſie mich belauſcht hatte, heran und fragte den Mann, ob er mit mir gehen wollte? Jo, ſagte der Mann. Darauf flüſterten Beide einen Augenblick mit einander und ich ſah, wie er der Alten Geld gab; ein Wagen ward gerufen, und wir fuhren nach dem kleinen Bierhaus, wo ich mit dem Manne in einem Zimmer gelaſſen wurde.Nun Lieb⸗ chen ſind wir allein, ſagte der Mann, indem er ſich mir näherte. Da durchzuckte mich ein fürchterlicher Ge⸗ danke... Da ergriff mich eine unſägliche Angſt, wie vor einem Verbrechen, welches an mir begangen werden ſollte, und ich ſtürzte an die Thür. Aber die Thür war verſchloſſen, und keinen Ausweg entdeckte mein verzwei⸗ felndes Auge, keinen als das Fenſter, und ich riß das Fenſter auf und ehe mich ſeine Arme umſchlingen konn⸗ ten, ſtürzte ich mich hinunter. Das Fenſter war nicht ſehr hoch über der Erde; ich fiel auf allerlei Stroh und Lumpen, welche unten im Hofe lagen, und da ward ich im bewußtloſen Zuſtande gefunden. Ich weiß davon nichts Genaueres mehr zu erzählen. Ich ſchlummerte lange, erwachte unter heftigen Schmerzen und verfiel zuletzt in eine Krankheit, welche mehrere Wochen lang währte. Als ich langſam geneſen war, ſagte die Alte: heut Abend gehen wir zum zweitenmal aus. Benimmſt Du Dich aber wieder ſo trotzig, wie an jenem erſten Abend, ſo will ich Dich zertreten, wie einen giftigen Wurm! Und wir gingen. Sie ſtellte mich hinter die