zu rauſchen und zu branden. Das Schiff war im Meere.—
O Nacht auf dem Meere, wie groß biſt du! Wie weitet dein Geheimniß die Menſchenbruſt, und wie weckt dein dumpfes Rauſchen von Anbeginn die Stimmen der ewigen Sehnſucht, die in ihr ſchlummern! Und wie flattert die Seele dir dann entgegen, ſehnſüchtig, kla⸗ gend, ſeufzend, weinend. du, den ſie nicht finden kann, du Geheimniß, das im Geheimniß wohnt,— du Schöpfer der Nacht und des Meeres!...
Die letzten Lichter waren verſchwunden. Aber nur eine Weile war es dunkel. An die Stelle der Leuchten von Menſchenhand trat die ewige Leuchte von Gotteshand. Der Vollmond ging auf; und von ſchwerem Gewölk, welches die Nacht aus der Meerestiefe ſog, nur ge⸗ dämpft und ihre Ränder mit mattem Silber beglän⸗ zend, theilte er der Luft und dem Horizonte Dämme⸗ rungshelle mit. Dann wurden nach Vorn die Wolken immer dicker und dichter und der Reiſende hatte das Gefühl, als ginge es da grad auf rieſige, ſchwarze Gebirge zu, über deren ſchroffen Zacken der Mond ſtehe und an deren Widerſtand das Schiff zerſchellen niſſe
Am andern Morgen, zur geſetzten Zeit, war man auf der Schelde. Es war noch früher Tag; aber die Sonne ſchien ſo golden, und zu beiden Seiten des leiſe wallen⸗ den Stromes fiel ihr wärmendes Licht auf die weh⸗ müthigen Weiden des flachen Strandes. Dahinter, auf weiten, farbloſen Flächen ſah man hier ein einſames Fiſcherhaus und dort eine Windmühle, ganz fern einen


