die Säulen und ſingſt Dein Lied. Und wenn ich wie⸗
derkomme und Du ſtehſt noch hier und haſt nicht ge⸗
than, was ich Dir ſage, ſo ſollſt Du in vierundzwanzig Stunden nicht erfahren, was Eſſen oder Trinken heißt. Nun mach' was Du willſt!“
Damit entfernte ſich das alte Weib, und das Mädchen, unter heftigem Schluchzen, rief:„O Gott und Du, mein Heiland— warum nehmt Ihr mich nicht zu Euch?“ Dann verſuchte ſie wieder zu ſin⸗ gen, aber die Stimme verſagte und ſie ſchluchzte auf's Neue.
Da hielt ſich George Meadows nicht länger. Er trat hinter der Säule hervor, ſchritt durch den Gang und plötzlich ſtand er vor dem Mädchen in der Dun⸗ kelheit des Gäßchens. Er konnte ihr Geſicht nicht er⸗ kennen; ſie trug einen ſchwarzen, verdrückten Hut, wel⸗ cher es verdeckte, ein ſchwarzes Mäntelchen, welches kaum über ihre nackten Arme reichte und ein ſchwarzes Kleid, welches an ſeinen Rändern zerriſſen war.
„Warum ſtehſt Du hier?“ fragte George Meadows das Mädchen, welches bei dem Ton ſeiner Stimme
ſichtbar zuſammenfuhr. 8
„Um Gotteswillen, Herr!“ rief ſie haſtig und ge⸗ preßt,„entfernt Euch!“
„Nicht eher, bis ich weiß, warum Du hier ſtehſt und welches Recht jenes alte Weib hat, Dich zu miß⸗ handeln,“ ſagte Georg Meadows, der in der ganzen Schönheit und Kraft der erſten Jugend und in der Erregtheit des Augenblicks wie ein Weſen höherer Ord⸗ nung, wie ein Engel der Rettung vor der armen, elenden Straßenſängerin von Lower Johnſtreet ſtand.
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