„Wenn Ihr Gnade— wenn Ihr Barmherzigkeit kennt,“ ſchluchzte ſie,„ſo geht. Sie kann jeden Augen⸗ blick kommen, und wenn ſie kommt und ſieht Euch bei mir ſtehen...“ Ein heftiger Thränenſtrom unterbrach ihre Worte, und mit der Linken deutete ſie in das Dun⸗ kel der angrenzenden Straße.
Aber George Meadows ging nicht. Er ergriff ihre Rechte, und fühlte, wie ſie krampfhaft zitterte. Sie war einige Schritte aus der Dunkelheit hervorgetreten. Das gelbe Licht der Straßenlaterne, der erblaſſende Schein des Mondes, der grünliche Anfangsſchimmer des Morgens beleuchteten nun ihr kummervolles Geſicht, ihre verweinten Augen, ihre ſchwarzen Haare, welche wirr unter dem Hut hervor um ihre bleichen Schläfen hingen.
„Laß ſie kommen,“ ſagte George Meadows,„ich gehe nicht, ich laſſe Dich nicht!“ Und dabei ſchlang er ſeine Rechte um die Hüfte des zitternden Mädchens; aber er war nicht ſtark genug, ſie zu halten. Gewalt⸗ ſam ſtürzte ſie auf die Erde und umklammerte ſeine Knie feſt mit dem jammernden Ausruf:„Berührt mich nicht! Ich bin ein unglückſeliges verlorenes Geſchöpf! Mein Leben iſt mein Fluch!“
In dieſen Augenblicken ließen ſich dumpf wieder⸗ hallende Tritte aus der Richtung der Straße vernehmen, in welche das Mädchen vorhin gedeutet.
„Komm!“ rief George, als er den fernen Schall vernahm.„Keine Zögerung mehr, ſonſt iſt alles vorbei — eil' Dich, eil' Dich!“
Aber das Mädchen rührte ſich nicht, ſie ſchien das


