Mutter mehr habe, um ſie zu lieben, und daß ſeine Schweſter ein Weſen ſei, welches er nicht lieben konnte. Aber jetzt zuckte ein neues Gefühl wie ein Blitz durch ſeine Seele, daß es in dieſer weiten, weiten Welt doch noch ein fremdes und unbekanntes Etwas geben müſſe, welches er mit der ganzen Inbrunſt dieſer quälenden Sehnſucht umfaſſen könne. Es rief ihn, es winkte, als müſſe er es ſuchen und finden. Die Fülle ſeiner Liebe und ſeines Verlangens quoll über; mitten in der wüſten Orgie des Café de la Regence vernahm er eine Stimme, als käme ſie von andern Welten, die er bis dahin nicht gekannt.
Er hatte in der That eine ſchlechte Figur gemacht in dieſer Geſellſchaft, die ſeinem innerſten Weſen ſo ſehr widerſprach. Sie hielten ihn für ſchüchtern, in Wahr⸗ heit aber hatte ihre Nähe nur dazu gedient, das Ver⸗ langen ſeines Herzens nach einer wahren, vollen und ganzen Liebe heftiger zu wecken, indem ſie ihn mit Widerwillen gegen dieſes ihr Zerrbild erfüllte. Es ward ihm unerträglich, dieſes Gläſerklirren, dieſes Gewirr von Stimmen, dieſer ganze Lärm, hinter welchem ſich doch die Pein des jammernden Herzens nur ſchlecht ver⸗ barg; unerträglich wurde ihm dieſer Prunk, welchem das Elend vorausgeht und folgt, dieſe Augen, in welchen der Tod wohnt, dieſes trügeriſche Roth auf ſchwindſüch⸗ tigen Wangen, unerträglich dieſe Mitternachtswelt des Scheines, wo die Armuth ſich mit dem Schimmer der Schönheit umgiebt, wie in jener andern Welt des Mit⸗ tags der Reichthum mit dem Schimmer der Tugend. Giebt es denn wirklich noch ſolche Dinge auf Erden


