Teil eines Werkes 
1. Buch (1863)
Entstehung
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wie Schönheit und Tugend? oder ſind es nur Toiletten⸗ ſtückt, die wir ſo nennen?

George Meadows erhob ſich.Mir iſt es zu warm hier geworden, ſagte er, dem ſchwelgenden Sam die Hand reichend,laß mich Abſchied nehmen für heut. Gute Nacht! Sam Slender blieb; wir wollen nicht fragen, wie lange er blieb und wann er nach Hauſe kam und wie. Seid deſſen gewiß, daß er ſich zur rech⸗ ten Zeit wieder an ſeinem bewußten Fenſter einfinden und feinem braven Verwandten keinen Grund geben wird, ihm ſeine Gunſt zu entziehen.

George Meadows indeſſen ging mit haſtigen Schrit⸗ ten, bis er Regentſtreet erreicht hatte. Der Mond ſtand hoch. Die Straße war ſtille, nur einzelne Men⸗ ſchen, hier und dort in der weiten, breiten Mondeshelle; nur ein einſamer Wagen, der verloren über das Pflaſter rollte. Wie glänzten die herrlich geſchweiften Halbbögen der Arkade! Wie leuchteten die Giebel! Wie funkelten die Dächer! Sanft und laulich wehte die Luft es war ſchon Morgenluft. Schon begann das Blau des Mondenhimmels an ſeinen Säumen grün zu ſchimmern.

Und langſamer, immer langſamer ward der Schritt des Wanderers. Auf einmal hörte er Geſang. Er blieb ſtehn, er lauſchte. Ein weicher, trauriger Geſang, wie von einer Mädchenſtimme. George Meadows ging näher; es mußte aus einer Seitengaſſe kommen. Es klang ſo ſüß, ſo unwiderſtehlich es klang wie der Ruf einer Sinkenden, wie der letzte Seufzer einer Flie⸗ henden es klang wie Gebet aus tiefſtem, ſehnſüch⸗ tigſtem Herzen. Es war in der That nichts weiter als