Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Gott und der Papſt haben mein Gelübde und das meiner frommen Schweſtern empfangen, aber der Kaiſer hat uns unſerer Gelübde entbunden. Der Kaiſer will nicht, daß wir Gott dienen, daß wir beten und uns kaſteien, und in frommen Bußübungen uns vorbereiten auf den Tod.

Der Kaiſer will, daß Ihr nützliche Mitglieder der menſchlichen Geſellſchaft werdet, rief eine mächtige Stimme mitten aus dem Menſchen⸗ gewühl hervor. Der Kaiſer will, daß ihr beten ſollt mit guten Handlungen, und daß Ihr, ſtatt in Unthätigkeit ein nutzloſes Daſein zu führen, gute Frauen, tugendhafte Mütter werden, und dem Staat Kinder geben und erziehen ſollt, denn es iſt der Beruf, den Gott ſelber dem Weibe gegeben!

Ein drohendes Gemurmel durchlief die Menge, und Aller Augen richteten ſich nach jener Seite hin, von woher die Stimme gekommen. Aber vergebens ſuchten die wüthenden Blicke des Prieſters den zu erſpähen, der ſo dreiſte Worte geſprochen; es war unmöglich ihn in der Menge ausfindig zu maͤchen.

Die Priorin hatte wieder ihr Haupt geſenkt, und wollte weiter ſchreiten, aber noch einmal hielt der Prieſter ſie auf. Aber wo werdet Ihr denn jetzt wohnen? fragte er. Wovon werdet ihr leben? Hat man Euch Euer Vermögen wiedergegeben, das Ihr dem Kloſter ge⸗ ſchenkt, als Ihr in daſſelbe eintratet?

Das Kloſter mit ſeinen Schätzen gehört jetzt dem Kaiſer, ſagte die Priorin ſanft. Der Kaiſer hat Alles zu ſeinem Eigenthum ge⸗ macht, aber Jeder von uns giebt er eine Penſton von zweihundert Gulden!

Aber man kann nicht leben von zweihundert Gulden! rief der Prieſter erzürnt.

Man kann davon leben, wenn man durch Arbeit ſich etwas dazu verdient, rief die mächtige Stimme von vorhin. Fragt dieſe braven Leute, ſie, die immer gearbeitet, immer Gott mit ihrem Fleiß gedient haben, fragt ſte, ob Jeder von ihnen ſich nicht glücklich preiſen würde, wenn er eine Penſton von zweihundert Gulden er⸗ hielte? Was haben denn die faulen Nonnen für Verdienſte, daß ſie mehr haben wollen, wie die fleißigen Arbeiterinnen? Und wenn hnen die Penſion nicht genügt, warum treten ſie denn nicht ein in