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entwanden, da hob ſie mit einer drohenden Geberde ihr Haupt wieder empor, da öffnete ſie die bleichen Lippen und mit lauter Stimme rief ſte: Wehe! Wehe!
Wehe! Wehel riefen die Nonnen ihr nach, und wie von einer ſchmerzlichen Verzweiflung erfaßt, jammerte und wehklagte die Menge: Wehe! Wehe!
Das Opfer war vollendet, dem kaiſerlichen Befehl genügt. Die Priorin hatte die Schlüſſel und das Kreuz hingegeben, und damit waren ſie und die Nonnen ihres heiligen Gelübdes entbunden, damit waren ſie ausgeſtoßen aus dem Kloſter in die Welt. 3
Schwankend, ihre ganze Geſtalt von frommen Schauern durch⸗ bebt, wandte die Priorin von dem Commiſſarius ſich ab, um nun hineinzugehen in die Welt, die ſie nicht mehr kannte, in der ſte keine Heimath, keine Freunde mehr hatte, in der ſie eine Fremde war.
Aber der Kaiſer hatte es befohlen, und man mußte gehorchen!
Das Haupt gefenkt, die Hände auf der Bruſt gefaltet, ging die Priorin vorwärts, und wie ſie, mit geſenktem Haupt und gefalteten Händen, folgten ihr die Nonnen. Ihr Auge ſchaute nicht auf den Weg, ſie wußte nicht, wohin ſie ging, wohin ſie ihre Schritte lenkte. Sie ging nur vorwärts, vorwärts, gerad hinein in das dichteſte Gewühl der Menge, die ſich vor ihr aus einander theilte, wie das Meer vor dem Kiel des ſtolzen Schiffes und ihr einen Weg frei gab. Unwiſſend deſſen, was ſie that, ſchritt die Priorin hinein in dieſe Gaſſe, grade hinein in den ſeufzenden, weinenden, klagenden Volkshaufen, und hinter ihr her ſchritten die Nonnen, angeſtaunt von den Blicken der Männer und verſchämt vor ihnen die Augen ſenkend.
Der Prieſter, der vorher zu dem Volk geredet, hatte ſich jetzt durch die Haufen durchgedrängt und mitten im dichteſten Gewühl begegnete er der Priorin.
Wohin gehſt Du, meine Tochter? fragte er mit lauter Stimme.
Sie hob ihr Haupt empor, und blickte ihn mit ernſten, thränen⸗ loſen Augen an. In die weite, weite Welt, ſagt ſte troſtlos.
Weshalb thuſt Du das? fragte er wieder. Haſt Du nicht Deinem Gott und dem Papſt zu Rom geſchworen, dem Herrn zu dienen und ihm treu zu ſein bis an Deinen Tod? Haben nicht Gott und der Papſt Dein Gelübde empfangen? 5
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