Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Ich finde meine Rahel immer ſo, wie ich ſie erwartete, ſtolz und keuſch, und ohne den leiſen Schimmer eines Fleckens auf ihrer klaren, jung⸗ fräulichen Stirn. Oh nur Geduld, Geduld, mein Kind, ich will Dich belohnen für dieſe Stunde, und da Du die Grafenkrone des Herrn Podſtadzky verſchmähſt, will ich um Deine ſchöne Stirn eine Freiherrn⸗ krone legen. Du ſtehſt mich erſtaunt an? Ja, mein Kind, das bleibt vorläufig mein Geheimniß, aber ich denke, Du ſollſt es bald erfahren, was der reiche Jude Eskeles Flies unter der freiſinnigen Regierung des edlen Kaiſer Joſeph mit ſeinem Gelde ſich Alles erkaufen kann! Aber jetzt lebe wohl, man erwartet mich im Comtoir, ich muß rechnen, mein Kind, rechnen, denn meine Millionen müſſen ſich verdoppeln, damit ich meiner Rahel ein Königreich kaufen und ihr zu Füßen legen kann!

Er küßte ſeine Tochter auf die Stirn und erhob ſich dann, um das Zimmer zu verlaſſen. Aber ſchon an der Thür angelangt, wandte er ſich noch einmal um.

Iſt der Geheime Secretair des Kaiſers, Herr Günther, wieder hier geweſen? fragte er lächelnd.

Ja, er war hier, ſagte Rahel gelaſſen.

Und Du haſt ſeinen Beſuch angenommen?

Ich habe ihn angenommen, mein Vater, denn Du ſelbſt warſt es, der ihm den Beſuch unſers Hauſes erlaubt hat.

Ihr Vater ſchwieg einen Augenblick. Und doch glaube ich, ſagte er dann, daß es beſſer wäre, wenn Du ihn ſeltener empfingſt. Du, in Deiner Unbefangenheit und dem ſtolzen Gefühl Deiner Ueberlegen⸗ heit, haſt vielleicht nicht geſehen, was die wachſamen Augen Deines Vaters längſt errathen haben: dieſer junge Mann liebt Dich, Rahel, er liebt Dich wahrhaft; nicht ſo wie die übermüthigen Ariſtokraten, ſondern mit einem redlichen Herzen. Ich glaube wahrhaftig, er könnte kühn genug ſein, zu vermeinen, die ſchöne Rahel Eskeles könnte ihren Vater und ihren Glauben aufgeben, um das Weib eines kleinen Geheimſecretairs zu werden, eines Subaltern⸗Beamten, deſſen Bruder der Kammerdiener des Kaiſers iſt und den Vorzug genießt, Seiner Majeſtät die Stiefel ausziehen zu dürfen! Ich habe ſolche kühne Wünſche in den Augen des jungen Menſchen geleſen, und wenn ich auch lachen muß über ſeine Vermeſſenheit, ſo jammert es mich doch