Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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meinen Worten angemerkt, daß ich nimmer den Grafen Podſtadzky zu meinem Schwiegerſohn annehmen würde, ſelbſt wenn der Kaiſer es erlauben wollte, daß der verſchuldete Graf, um ſich zu erretten, eine Jüdin zu ſeiner Gemahlin machte! Aber nun iſt Alles gut, nun athme ich wieder leicht und frei, und nun freut's mich zu denken, daß der vornehme Graf die Tochter des Juden liebt!

Nein, mein Vater, dieſer Menſch liebt mich nicht, ſagte Rahel verächtlich, er liebt nichts als ſein Vergnügen und ſich ſelbſt. Aber er beläſtigt mich mit ſeiner Frechheit, und ich bin nicht gewillt, ſeine Beleidigungen länger zu ertragen!

Oh, er hat es gewagt, Dich zu beleidigen? rief ihr Vater mit drohendem Ton. Was iſt es, mein Kind? Was that er Dir?

Er iſt während dieſer Tage, daß Du verreiſt warſt, drei Mal hier geweſen, um mich zu beſuchen. Ich ließ ihn abweiſen, da hat er es gewagt, ſich ſchriftlich an mich zu wenden, und mir durch mein Kammer⸗ mädchen einen Brief zuſtellen zu laſſen, einen Brief, in welchem der freche Menſch es gewagt, mir eine glühende Liebeserklärung zu machen und mich um eine geheime Zuſammenkunft zu bitten. Lies Du ſelbſt, mein Vater, und dann ſage, ob ich nicht ein Recht habe, dieſen Menſchen zu verachten!

Sie nahm den geöffneten Brief, der vor ihr auf dem Tiſch lag, und reichte ihn ihrem Vater dar.

Herr Eskeles Flies las ihn und ſein Antlitz flammte auf in Zorn. Siehſt Du, meine Tochter, ſagte er mit tiefem Grimm, ſiehſt Du, das iſt die Sprache, welche die Chriſten vermeinen, gegen ein ehrbares unſchuldiges Mädchen führen zu dürfen, weil ſie eine Jüdin iſt, weil ſte außerhalb der Geſellſchaft ſteht! Aber wir wollen dieſen Ueber⸗ müthigen ſtrafen für dieſe Beleidigung, ganz Wien ſoll es erfahren, daß wir den Herrn Grafen verachten und verſpotten!

Wie, mein Vater, rief Rahel entſetzt, Du willſt Deine Tochter zum Gerede und Geſpötte der Welt machen?

Nein, Rahel, aber ich will der Welt, welche, wie ich weiß, ſchon gewagt hat, ein Liebesverhältniß zwiſchen Dir und dem Grafen zu muthmaßen, ich will der Welt beweiſen, daß ſie ſich geirrt, und daß die ſchöne Rahel und ihr Vater den Grafen Podſtadzky Liechtenſtein verachten. Deshalb, meine Tochter, bitte ich Dich, ja, ich verlange