Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Nein, mein Geliebter, rief ſie glühend, nein, nicht Dir kann ich entſagen! Ich habe Dir meine Liebe und Treue geſchworen, und ich werde meinen Schwur erfüllen, oder ſterben! Das Weib ſoll ihrem Geliebten folgen, und um ſeinetwillen ſoll ſie Vater und Mutter ver⸗ laſſen. Vater und Mutter, warum denn nicht auch ihren Glauben und ihren Gott! Ich werde den Muth dazu haben, wenn es alſo ſein muß, ich werde Alles hingeben für Dich, mein Günther, denn ich weiß, ich bin der Stern Deines Lebens, und wenn ich Dir unter⸗ gehe, iſt es Nacht um Dich, und ich weiß auch, daß Du die Seele meiner Seele biſt, und daß ich lieber mein ganzes Daſein hinwerfen will, als Dir entſagen, von Dir mich abwenden! So will ich denn kämpfen für meine Liebe und mein Glück, und in dieſem Kampf unter⸗ gehen, oder Siegerin ſein!

Sie nahm den Brief, den ſie vorhin geleſen, und preßte ihn lange und feſt an ihre glühenden Lippen, dann faltete ſie ihn zu⸗ ſammen, und ſchob ihn in ihren Buſen.

Du ſollſt der Schild ſein, mit dem ich meine Bruſt umpanzere, ſagte ſie mit einem reizenden Lächeln, indem ſie den Brief an ihrer Bruſt verbarg. Von Dir beſchützt zittre ich nicht, ſondern werde Muth haben, den Kampf zu wagen, und—

Ein leichtes Klopfen an ihrer Thür machte ſie verſtummen; ehe ſte Zeit hatte zu einer Antwort, öffnete ſich die Thür, und eine hohe männliche Geſtalt trat herein.

Mein Vater! rief Rahel freudig, und mit ausgebreiteten Armen flog ſie zu ihm hin, und ſchmiegte ſich zärtlich an ſeine breite, kräftige Bruſt.

Herr Eskeles Flies ſtreichelte zärtlich ihr dunkles Lockenhaupt, und drückte einen Kuß auf ihre hohe weiße Stirn.

Ich habe Dich zwei Tage nicht geſehen, mein Vater, ſagte Rahel

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mit leiſem Vorwurf.

Ich war hinunter gefahren nach Brünn, meine Tochter, um ein⸗ nal die großen Fabriken, die ich dort angelegt, zu inſpiciren.

Aber Du warſt gegangen, ohne Abſchied zu nehmen!

Abſchied nehmen iſt gar eine ſchlimme Sache, ſagte ihr Vater lächelnd, und ich mag nichts damit zu thun haben. Aber ich liebe das Heimkehren, und Du weißt wohl, Kind, ſo wie ich die Schwelle

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