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Aber die empörte Prieſterſchaft wird Zeter ſchreien und ſich nach Rom um Hülfe wenden!
So mag der Pabſt ſie Alle einladen, nach Rom zu kommen! So lange ſie aber in meinen Staaten leben, ſind ſie meine Unter⸗ thanen, und ich allein habe ihnen Geſetze zu geben.
Aber das heißt Rom ſelbſt den offenen Krieg erklären!
Es iſt auch ſehr meine Abſicht, das zu thun! Der Knecht der Knechte Gottes ſoll erkennen, daß ich alleiniger und unumſchränkter Herr ſein will in meinen Staaten, und daß er keine Macht mehr haben darf über die Gewiſſen meiner Unterthanen, ſeien dieſe nun Laien oder Prieſter. Wir haben dieſer Macht des Papſtes und des Mönchthums den Verfall des menſchlichen Geiſtes zu verdanken, denn dieſe mächtigen Begrifſe von der Religion verbreiten ſich auf den gemeinen Mann; er kannte Gott nicht mehr und hoffte Alles von ſeinen Heiligen.*)
Es iſt viel Wahrheit in Ihren Worten, Sire, aber dieſe Wahrheit iſt gefährlich wie ein zweiſchneidig Schwert, das leicht Den verwundet,
der es in Händen hält. Hüten Sie Sich, Sire, oder gehen Sie
wenigſtens nicht zu raſch vor. Es giebt viele Dinge, die raſch und kühn vollbracht ſein wollen, Andere wieder wollen bedächtig und zö⸗ gernd, Schritt vor Schritt gethan ſein, und wer raſch auf ſie zuſtürzt, überſpringt gar leicht ſein Ziel. So iſt es mit dem, was Ew. Majeſtät vorhaben. Nur mit Beſonnenheit, mit bedächtigem Vorwärtsſchreiten können Sie hoffen, Ihr Ziel zu erreichen, nur wenn Sie ſehr leiſe auftreten, werden Sie Sich Vortheile erringen!
Ich habe nicht Zeit zum langſamen Vorſchreiten, nicht Zeit zum Leiſegang der Schlauheit. Was gethan werden ſoll, muß raſch ge⸗ than werden, um ſo mehr, da dieſe Frage von der Aufhebung der Klöſter für mich nicht bloß eine Angelegenheit der Religion, ſondern auch eben ſo ſehr der Finanzwirthſchaft iſt. Die Klöſter ſind über⸗ reich, die Kirchen und Wallfahrtsorte enthalten übergroße, todte Schätze, und der Finanzzuſtand meiner Kaſſen iſt ſehr ſchlecht. Nach einer kurzen Ueberſicht, die ich mir über denſelben verſchaffte, finde ich die Staatsſchulden auf eine ungeheure Höhe angewachſen, und wir
.„—. *) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe: Briefe Joſeph's II., S. 52.


