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werden Einſchränkungen machen müſſen. Ich darf nicht, wie meine allzu gnadenreiche Mutter, ſechs Millionen Gulden für mein Budget verwenden, ſondern ich muß verſuchen, wie Friedrich der Große, mit dreimalhunderttauſend Thalern auszukommen. Freilich werde ich dann aber auch nicht, wie die großmüthige Maria Thereſia es that, auf jeder Spazierfahrt mir einen Beutel voll Kremnitzer Ducaten mitnehmen, um ſie hier und dort unter das gaffende Volk zu ſchnellen, ſondern die guten Leute müſſen an einem einfachen Gruß ohne metallene Be⸗ gleitung es ſich genügen laſſen. Ich werde auch nicht, wie meine kaiſerliche Frau Mutter, zweitauſend zweihundert Pferde in meinen Marſtällen halten, der Kammerbeutel, aus dem die Gnadengehalte floſſen, wird auf immer verſtopft ſein, und viele der Gnadengehalte und Penſionen werde ich einziehen müſſen, denn ich muß Einſchrän⸗ kungen machen, ſo ſchwer es Denen auch fallen mag, die davon be⸗ troffen werden*). Aber alle dieſe Einſchränkungen genügen nicht; ich bedarf großer Summen, ich bedarf der Millionen, und da ich weiß, daß dieſe in den Kirchen und Klöſtern zu finden ſind, ſo werde ich ſie dort ſuchen!
Fürſt Kaunitz hatte dem Kaiſer mit ſtaunender Aufmerkſamkeit, mit immer wachſender Theilnahme zugehört; als der Kaiſer jetzt ſchwieg, nickte Kaunitz lebhaft mehrmals mit dem Kopf, und der Schimmer eines Lächelns, flog über ſein Antlitz hin. Sire, ſagte er, Sie beſitzen einen ſo tapfern und freudigen Muth, daß ich mein altes, vernarbtes Herz daran wieder jung und unbeſonnen werden fühle, und daß ich alle Bedenken meines Kopfes überhören will. Sei es denn, ich werde wie ein treuer Champion an Ihrer Seite ſtehen, und möchte es mir wenigſtens, wenn der mörderiſche Kampf beginnt, als⸗ dann vergönnt ſein, einige der Hiebe aufzufangen, mit denen der Fanatismus, die Mönchswuth und der Aberglaube des Volks das Haupt meines edlen, jugendfeurigen Kaiſers bedrohen werden! Ew. Majeſtät müſſen aber darauf gef⸗ faßt ſein, daß es nicht bloß das Prieſterthum iſt, das ſich wider Sie anfbäumen wird, ſondern auch das Volk, das von dem Prieſterthum verdummte Volk, dem jedes Anrühren an die Kirche wie eine Gottesleugnung erſcheinen wird,
*) Joſephs eigene Worte. Siehe: Briefe ꝛc., S. 49.


