Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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des Geiſtes unterdrückt und jeder meiner Unterthanen in den Genuß ſeiner angebornen Freiheiten geſetzt werden. Der bisherige Einfluß der Geiſtlichkeit auf die Regierung meiner Mutter ſoll aufhören. Ich ſehe nicht gern, daß die Leute, denen die Sorge für das zukünftige Leben aufgetragen iſt, ſich ſo viel Mühe geben, unſer Daſein hieniden zum Augenmerk ihrer Weisheit zu machen! Das Mönchsthum hat in Oeſterreich überhand genommen, die Anzahl der Stifter und Klöſter iſt zum Außerordentlichen emporgeſtiegen. Die Regierung aber hatte bisher kein Recht über ihre Perſonen, und ſie ſind die gefährlichſten und unnützeſten Unterthanen in jedem Staat, da ſie ſich der Beobach⸗ tung aller bürgerlichen Geſetze zu entziehen wiſſen und ſich bei jeder Gelegenheit an den Pontifer Maximus nach Rom wenden. Ich weiß, es iſt ein ſchweres und gefährliches Werk, was ich da vorhabe! Ich will das Heer der Mönche reduciren, die Fakirs zu Menſchen bilden, ſie, vor deren geſchornem Haupt der Pöbel in Ehrfurcht auf die Kniee niederfällt, und die ſich eine größere Herrſchaft über das Herz des Bürgers erworben haben, als irgend Etwas, welches nur immer einen

Eindruck auf den menſchlichen Geiſt machen konnte. Aber ich will,

dem Monarchismus den Schleier wegreißen, ich will Andromachens Gewebe der Ascetenlehre von den Lehrſtühlen meiner Univerſitäten verbannen, und den bloß beſchaulichen Mönch in einen thätigen Bür⸗ ger, einen nützlichen Unterthan verwandeln.*)

Oh, Sire, rief Kaunitz faſt ängſtlich, Ihre Worte erſchrecken mich, wie eine Fanfare, die zur mörderiſchen Schlacht ruft. Ueberlegen Ew. Majeſtät wohl, was Sie da thun. Bedenken Sie, daß Sie die Fackel des Aufruhrs unter ſiebenzigtaufend fanatiſche Kreuz- und Mönchs⸗ ritter werfen wollen, die in Oeſterreich wohnen und Macht haben.

Es wird bald nicht ſo viele Mönchsritter mehr geben, ſagte der Kaiſer lächelnd. Wir werden ihre Feſtungen ſchleifen, und ihnen ihr Mönchskleid, das ihre Rüſtung iſt, ausziehen.

Wie, Ew. Majeſtät wollen—

Die unnützen Klöſter aufheben und die faulen Moͤnche zwingen, arbeitſame Menſchen zu werden.

*) Dieſe ganze Rede enthält nur die eigentlichen und ausdrücklichen Worte des Kaiſers. Siehe: Briefe Joſeph's II. S. 48.