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Fürſt. Kaunitz, ich habe Ihnen vorher die letzte Botſchaft meiner Mutter gebracht, jetzt aber frage ich Sie als der regierende Kaiſer: wollen Sie mir folgen auf den Wegen, welche ich jetzt einſchlagen will? Wollen Sie mir helfen, das Gebäude des neuen Oeſterreichs aufzubauen, ein Gebäude, das nichts an ſich hat von der Kloſter⸗ und Mönchsherrlichkeit, von der Gottſeligkeit und Heuchelei früherer Tage, ſondern das einfach, groß und licht emporſteigen ſoll, mit hohen, hellen Fenſtern, daß das Licht ungehindert eindringen und die freie Gottesluft es durchdringen kann in allen ſeinen Winkeln? Wollen Sie als mein Baumeiſter mir zur Seite ſtehen und, Stein auf Stein geduldig mit mir aufeinander fügend, ausharren, bis das Gebäude vollendet iſt? Nein, antworten Sie mir noch nicht, Durchlaucht. Ueberlegen Sie es wohl! Es iſt eine gefährliche Arbeit, welche wir Beide da vorhaben, und wenn das Gebäude nicht feſt und ſicher zu⸗ ſammengefügt iſt, wird es zuſammenſtürzen und uns Beide unter ſeinen Trümmern begraben!
Ihr Gebäude muß allerdings ſo feſt und ſtark ſein, daß man es eine Burg nennen könnte, ſagte Kaunitz, eine Burg, hinter welcher man ſich verſchanzen kann gegen die anſtürmende Wuth des Clerus und des Adels!
Der Kaiſer ſtieß einen Ausruf der Ueberraſchung aus. Wie, rief er, Sie haben meine Abſichten ſchon errathen und kennen ſie, noch bevor ich ſie ausgeſprochen?
Nein, Sire, Sie haben ſie mir ſchon lange verrathen, und was Ihr Mund mir nicht ausgeſprochen, das ſagten Ihre Augen und Ihre Mienen. Ich habe Ew. Majeſtät oft beobachtet, wenn Sie den heuch⸗ leriſchen Prieſtern, den übermüthigen Dienern der Kirche gegenüber ſtanden, ich habe Ihr Stirnrunzeln geſehen, wenn Sie die Anmaßungen und die Ausnahmeſtellung der Ariſtokratie beobachteten und ſahen, wie Leute ohne Verdienſt, ohne Kenntniſſe und Fähigkeiten nur des⸗ halb zu hohen Aemtern und hohen Gehalten befördert wurden, weil ſte alten adlichen Häuſern angehörten und ein adlich Wappen an ihrer Kutſche gemalt hatten. Und jedes Mal, wenn ich Ew. Majeſtät in ſolchen Momenten die Stirn runzeln ſah, hat ſich mein Herz ge⸗ freut, und habe ich mit Wonne der Zukunft gedacht, der Zukunft,


