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Bewegung zu unterdrücken, mußte Kaunitz es geſchehen laſſen, daß plötzlich Bächen gleich, die bis dahin unſichtbar unter Steinen dahin gefloſſen, die Thränen aus ſeinen Augen ſtürzten und ſein Antlitz überflutheten.
Es war dies ein ſo unerhörter, ſo nie geſehener Anblick, daß auch der Kaiſer ſich tief davon erſchüttert und die Thränen auch in ſeine Augen treten fühlte.
Aber Fürſt Kaunitz überließ ſich dieſem leidenſchaftlichen Aus⸗ bruch des Schmerzes nicht lange. Mit einer unwilligen Bewegung ſchüttelte er die Thränen aus ſeinen Augen fort, und trocknete ſich mit dem Battiſttaſchentuch ſorgfältig die bethaueten Wangen.
Verzeihung, Majeſtät, Verzeihung, ſagte er dann, ſich tief verneigend. Sie ſehen es wohl, der Kummer hatte mich ſchwach ge⸗ macht, und diejenigen, welche ſonſt immer behaupten, daß ich ein ziemlich gewandter Diplomat ſei, würden, wenn ſie mich eben ge— ſehen hätten, ſich mit verächtlichem Achſelzucken von mir gewandt haben, denn es iſt wahr, ich habe mich benommen, wie ein großes Kind, das noch nicht gelernt hat ſeine Gefühle zu beherrſchen. Aber ich ſchwöre Ew. Majeſtät, daß eine ſolche Unart mir nicht wieder geſchehen ſoll, und deshalb, Sire, bitte ich, verzeihen Sie mir noch dies Mal.
Der Kaiſer reichte ihm mit einem ſanften Lächeln ſeine Hand dar. Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, ſondern ich habe Ihnen zu danken, ſagte er. Sie haben für mich gethan, was Sie für wenig andere Menſchen, glaube ich, gethan: Sie haben mich in Ihr Herz ſehen laſſen, und unter der Maske des großen unerſchütterlichen Diplo⸗ maten haben Sie mich das Antlitz eines tiefbewegten Menſchen ſehen laſſen. Ich danke Ihnen dafür, ich danke Ihnen auch für die Liebe, die Sie meiner Mutter geweiht haben, und nicht wahr, eingedenk dieſer Liebe, werden Sie auch den letzten Willen der Kaiſerin erfüllen, und treu zu Oeſterreich halten und zu mir?
Kaunitz heftete ſeine Blicke mit einem ſeltſamen Ausdruck auf das Antlitz des Kaiſers. Es iſt dies nun einmal die Stunde der Wahrheit, ſagte er, und darum will ich Ew. Majeſtät auf Ihre Frage auch nur mit der Wahrheit antworten. Ich erwartete ſeit drei Tagen dieſe letzte Botſchaft der Kaiſerin, und wäre ſte nicht gekommen,


