Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Joſeph indeß verſtand dieſe ſtumme Sprache des Fürſten, und ließ ſich von ſeinem Schweigen nicht beirren, ich weiß, ſagte er innig, Sie beklagen mit mir den Verluſt, der nicht bloß mich und meine Geſchwiſter, ſondern der ganz Oeſterreich betroffen.

Ich beklage Sie, ich beklage Oeſterreich und ich beklage mich ſelber, ſagte Kaunitz langſam.

Sie ſind meiner edlen Mutter immer ein treuer, unerſchütterlicher Diener und Freund geweſen, fuhr der Kaiſer fort, Sie haben ihr geholfen, Oeſterreich groß, glücklich und mächtig zu machen. Die Kaiſerin hat das nicht einen Moment vergeſſen, ſie hat Ihrer mit der zärtlichſten Dankbarkeit gedacht, und— hören Sie wohl auf meine Worte, Fürſt,— und ſie hat mir aufgetragen Sie daran zu mahnen, daß Sie eines Tages feierlich in die Hand der Kaiſerin gelobt und geſchworen haben, bis zu dem letzten Tage Ihres Lebens all' Ihre Geiſteskraft, Ihre Kenntniß, Ihre Energie und Thätigkeit dem Dienſte Oeſterreichs zu weihen. Sie hat mir aufgetragen, Ihnen zu ſagen, daß das Fortgehen der Kaiſerin Sie nicht von Ihrem Schwur entbindet, denn Sie hätten ihn Oeſterreich geleiſtet, und Oeſterreich gehe nicht von hinnen, ſondern es bleibe, und hoffe noch Vieles von Ihnen. Maria Thereſia läßt Ihnen durch mich ihren letzten Willen mittheilen, der alſo lautet:„Fürſt Kaunitz ſoll, eingedenk ſeines Schwurs, Oeſterreich dienen wie bisher. Ich habe meine Pflichten als treue Dienerin Oeſterreichs erfüllt bis zu meinem letzten Lebenshauch, und ich befehle dem Fürſten, daß er das auch thue, und daß er die Liebe, Treue und Anhänglichkeit, die er mir gezollt, auf meinen Nachfolger übertrage!“ Dies ſind die Worte meiner Mutter, Durchlaucht, ich habe ſie Ihnen getreulich wiederholt, und jetzt komme ich, um Sie zu fragen: wollen Sie dem letzten Willen meiner Mutter gehorſam ſein? Wollen Sie mir das bleiben, was Sie meiner Mutter waren? Wollen Sie Oeſterreich treu und er⸗ geben bleiben bis zum Tode, und als mein erſter Rathgeber und Miniſter, mir helfen, Oeſterreich glücklich und groß zu machen?

Fürſt Kaunitz öffnete die Lippen, um zu antworten, aber es war als ob ihm ein Krampf die Kehle zuſchnürte; ſeine ſonſt ſo ſtarren

Züge wurden jetzt von einem ſchmerzlichen Zucken bewegt, tiefe Seufzer rangen ſich aus ſeiner Bruſt hervor, und nicht mehr im Stande ſeine

Kaiſer Joſeph. 3. Abth. II. 7

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