Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Fürſt dabei mit ſeinem Lieblingsdiener, und wenn der Tiſch ab⸗ geräumt war, blieb er eben ſo unbeweglich und ſteif vor demſelben ſitzen, wie er es den ganzen Vormittag gethan.

Dieſes erſtarrte und verſteinerte Weſen begann die Umgebung des Fürſten zu ängſtigen, denn Niemand kannte die Urſache dieſer Er⸗ ſtarrung, Niemand hatte gewagt dem Fürſten die Nachricht von dem Tode der Kaiſerin Maria Thereſia mitzutheilen, Niemand hatte auch nur mit einem Wort auf dieſes große und ſchmerzvolle Ereigniß hinzudeuten ver⸗ ſucht, und doch ſchien Kaunitz daſſelbe zu wiſſen, denn ſeit drei Tagen ſaß er ſo da in ſeiner ſchweigenden Unbeweglichkeit, und ſeit drei Tagen lebte die Kaiſerin nicht mehr.

Heute mochte das Geläute aller Glocken, das dumpfe Trommel⸗ wirbeln vielleicht den Fürſten benachrichtigt haben, daß heute das Begräbniß der Kaiſerin ſtatt finde, aber gefragt hatte er Niemand, und es ſchien als wenn das laute Geräuſch der Straße ſein Ohr gar nicht berührte. Nicht einmal wandte er den Blick zum Fenſter hin, und ſelbſt dann, als der feierliche Leichenzug an ſeinem Hauſe vor⸗ überzog, blieb der Fürſt kalt, unbeweglich, den Rücken den Fenſtern zugewandt, vor ſeinem Tiſch ſitzen und ſtarrte mit großen, weit⸗ geöffneten Augen in das Leere.

Herr von Binder, der ihn durch die geöffnete Thür des Neben⸗ zimmers, von Kaunitz unbemerkt, beobachtet hatte, Herr von Binder allein ſah die zwei Thränen, die langſam über des Fürſten Wangen niederrannen, und dieſe Thränen gaben ihm Muth, trotz des Ver⸗ botes noch einmal eine Annäherung an den Fürſten zu wagen. Er

nahm ſeinen Hut, und leiſe zu der Ausgangsthür des Zimmers, in

welchem er ſich befand, hinſchleichend, öffnete und ſchloß er alsdann dieſe Thür mit Geräuſch, durchſchritt das Gemach und trat, gleich⸗ ſam als wenn er eben erſt anlange, in das Cabinet des Fürſten ein.

Kaunitz ſaß immer noch ſo unbeweglich und ſtarr da, wie er es zuvor gethan, nur zuckten ſeine Lippen ein wenig, und eine leichte Wolke flog über ſeine Stirn.

Binder hatte den Muth bis dicht zu dem Fürſten hinzüſchreiten und legte jetzt ſanft und leiſe ſeine Hand auf die Schulter des Fürſten.

Durchlaucht, ſagte er mit leiſer, zitternder Stimme, Durchlaucht, haben Sie Erbarmen mit dem Kummer Ihres armen Dieners und