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gefeſſelt, und die Ketten, mit denen ſie Euer Gewiſſen belaſtet haben. Ihr ſollt nicht mehr am Gängelband geleitet werden, wie die Kinder, ſondern Ihr ſollt als Männer betrachtet, als Männer geachtet werden! Ein Volk von freien Männern und von tugendhaften Frauen, von unſchuldigen Kindern und ſorgenloſen Greiſen will ich um mich haben, es ſoll hell werden in meinen Staaten, und die ägyptiſche Finſterniß, von der mir die Benedictiner in Prag einſt unter ihren Kloſterſchätzen ein Stückchen gezeigt, die ägyptiſche Finſterniß möge unter den Mönchen und in den Klöſtern verbleiben, aber die Augen meines Volkes ſollen mir die Prieſter nicht mehr damit verblenden. Und jetzt an's Werk, meine Freunde, an's Werk! Mein Volk ruft mich, und jeder Moment meines Lebens gehört ihm! Ihr habt mein Gewiſſen beruhigt, und ich habe Euren Schwur empfangen, daß Ihr treu zu mir halten wollt. Oh, mit zwei Mentoren wie Euch an meiner Seite, muß und wird es mir ſchon gelingen, mein Volk glücklich zu machen, und mir
ein wenig Ruhm zu erwerben!
II. Fürſt Kaunitz
Seit drei Tagen hatte Fürſt Kaunitz ſein Cabinet nicht verlaſſen, ſeit drei Tagen hatte er keine Audienzen ertheilt, keine Geſchäfte be⸗ ſorgt, keine Briefe geleſen oder geſchrieben. Seit drei Tagen hatte, einem lakoniſchen Befehl des Fürſten gemäß, ihm ſein Diner in ſeinem Cabinet ſervirt werden müſſen, und ſelbſt die ſonſtige ſtete Geſell⸗ ſchafterin ſeiner einſarnen Diners, ſelbſt die Gräfin Clary durfte nicht bei demſelben gegenwärtig ſein. Der Fürſt dinirte ganz allein, das heißt, er nahm einige Löffel voll von Bouillonreis, ſeinem gewöhn⸗ lichen Mittagsmahl, und berührte kaum die Speiſen, die der geräuſchlos ihn bedienende Kammerdiener ihm darreichte. Kein Wort ſprach der


