Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Orloff verſtand alſo die Sprache Katharinens nicht, aber er ver⸗ ſtand ihr Lächeln und ihre Blicke, und er eilte zu ihr hin, und ein Knie vor ihr beugend, küßte er zärtlich ihre dargereichte Hand.

Gregor, ſagte die Kaiſerin leiſe und zärtlich, ich habe Dich rufen laſſen, weil ich mit Dir zu ſprechen habe über die Zukunft Deines Sohnes!

Ew. Majeſtät ſprechen von Baſile Bobrinsky9? fragte Orloff, noch immer vor Katharinen knieend und lächelnd zu ihr aufblickend.

Ja von ihm, ſagte Katharina, von Deinem Sohn oder, wenn Du lieber willſt, von unſerm Sohn!.

Von unſerm Sohn, Katharina! rief der Graf heftig. Euer Majeſtät bekennen Sich zu ihm als ſeine Mutter, und Sie haben doch ſeinen Vater aus Ihrem Herzen verſtoßen, Sie haben mich aufge⸗ opfert um eines Mannes willen, den ich haſſe, nicht weil er mein glücklicher Nebenbuhler iſt, ſondern weil er die Liebe der großen Ka⸗ tharina nicht verdient, weil er nichts iſt als ein Ehrgeiziger, ein Ver⸗ ſchwender, ein herzloſer Schacherer, der in jeder Stunde bereit iſt, nicht bloß die Ehre Rußlands, ſondern die Liebe ſeiner Kaiſerin zu verkaufen, wenn man ihm nur einen genügenden Kaufpreis dafür zu bieten vermag. Oh, es macht mich raſend, zu denken, daß Gregor Orloff einem Potemkin hat weichen müſſen!

Katharina legte lächelnd ihre weiße Hand auf Gregor's Lippen. Still, ſagte ſie, ſchilt ihn mir nicht, mein Freund. Sagte ich Dir nicht, daß ich der Religion der Erinnerungen angehöre, und daß ich heute einen Gottesdienſt halten will in ihrem Tempel? Und Dich, Gregor, habe ich herberufen laſſen, um dieſen Gottesdienſt mit mir zu begehen, und ein förmliches und heiliges Opfer niederzulegen auf dem Altar unſerer Gottheit. Ich will Friede haben, Gregor, Friede mit meiner Vergangenheit, Friede auch in der Gegenwart und Zu⸗ kunft! Ich will nicht, daß die beiden Männer, die meinem Thron und meinem Herzen am nächſten ſtehen, in wilder Feindſchaft und unverſöhnlichem Haß einander ſo nah und doch ſich gegenüber ſtehen! Die Liebe ſoll Euren Haß verſöhnen und dieſe Feindſchaft enden, und über den Häuptern eines glücklichen Liebespaars ſollen ſich Or⸗ loff und Potemkin, die beiden größten Männer meines Reiches, ihre Hände reichen! Ich bitte Dich alſo, Gregor, und Du ſiehſt wohl,