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IV.
Kaiſerin Katharina.
Tiefe Stille herrſchte in den Gemächern der Kaiſerin; dieſe prun⸗ kenden goldfunkelnden Säle, in denen ſich allabendlich die von Gold, Juwelen und Ordensſternen funkelnde Hofgeſellſchaft verſammelte, waren jetzt noch verödet und leer. Katharina hatte für dieſen Vor⸗ mittag die befohlene, große Cour abgeſagt, ſie hatte Befehl ertheilt, daß Niemand vorgelaſſen werde, weil ſie allein ſein wolle, um zu arbeiten.
Aber ſie war nicht allein! Sie war in ihrem, neben ihrem Schlafzimmer befindlichen Cabinet, und bei ihr war der Graf Gregor Orloff, der Mörder ihres Gemahls, der Geliebte ihrer früheren Tage.
Die Kaiſerin lag halb hingegoſſen auf dem von purpurrothem Sammet überzogenen Ruhebette, und ihre klugen, blitzenden Augen waren mit einem Ausdruck innigſter Herzlichkeit auf Orloff hinge⸗ richtet, der ihr gegenüber ſaß. Katharina war, trotz ihrer funfzig Jahre, noch immer eine ſchöne Frau; ſelbſt das Alter ſchien Reſpect gehabt zu haben vor dieſer hohen Stirn, welche eine Krone trug, und hatte kaum mit der Spitze ſeines Fingers ſie zu berühren gewagt; ihr Auge hatte noch immer das Feuer der Jugend, ihr Mund das reizende, coquette Lächeln ihrer frühern Tage bewahrt, und in ihrem Buſen glühte noch immer das leidenſchaftliche, liebebegehrende, unru⸗ hige, bewegliche Herz eines Mädchens von ſechszehn Jahren. Dieſes Herz war noch immer des glühenden Haſſes, der leidenſchaftlichſten Fiebe fähig, und dieſes energiſche, intereſſante Antlitz war immer noch im Stande, zu gefallen und Liebe zu erwecken.
Und dieſer Stunde wollte Katharina Orloff g Gefun in dieſer
Stunde träumte ſie ſich zurück in die Joldenen S ge. ihrer
Jugendliebe, und mit wehmüthiger Theilnahme fuchte
— harten, alternden Geſicht des Grafen Orloff die verblichene Scsaßei


