Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Es ſteht ſo da, Durchlaucht, ſagte Cobenzl ruhig.

Potemkin ſtieß einen Wuthſchrei aus und ſprang vorwärts wie ein Stier, der eben im Begriff iſt, ſich mit einem wüthenden Stoß auf ſeinen Feind zu ſtürzen.

Gregor Orloff iſt bei Katharinen, und ich kann ihn nicht er⸗ würgen, ihn nicht todt zu ihren Füßen niederſchleudern, nicht—

Auf einmal verſtummte er und ein triumphirendes Lächeln er⸗ hellte ſein Angeſicht. Ich habe noch meinen Schlüſſel, ſagte er leiſe vor ſich hin, ich werde Katharina zwingen, mich zu hören, wenn ſie Orloff gehört hat.— Herr Graf, fuhr er fort, ſich an Cobenzl wendend, ich muß Sie jetzt bitten, mich zu verlaſſen, denn ich muß zur Kaiſerin, ſogleich auf der Stelle! Gehen Sie zu Ihrem Kaiſer, ſagen Sie ihm, daß ich ihm danke für ſeinen Brief, und daß, wenn es mir gelingt, dieſes Unwetter, das über mir ſchwebt, zu beſtegen, er auf ewig an mir einen dankbaren Schuldner und Diener finden ſoll. Aber jetzt kein Wort mehr, Herr Graf! Leben Sie wohl, und wenn Sie Luſt haben, beten Sie für mich, oder beſſer, überlegen Sie, was für ein Drama Sie am Tage meines Begräbniſſes zur Erheiterung des Hofes aufführen wollen.

Ach, an dem Tage könnten wir nur Voltaire's Julius Cäſar's Tod aufführen, ſagte Graf Cobenzl lächelnd, aber Gott verhüte eine ſolche Aufführung. Ich eile zu meinem Souverain, um ihm die Worte Ew. Durchlaucht zu hinterbringen.

Potemkin, vor Ungeduld zitternd, die bleichen Lippen feſt auf⸗ einander gepreßt, blieb mitten im Zimmer ſtehen, und raſch und un⸗ geſtüm mit dem Fuß ſtampfend, als ſchlüge er den Takt zu der wilden Melodie ſeiner Gedanken, folgten ſeine flammenden Blicke jeder Be⸗ wegung, jedem Schritt des Grafen, der ſich mit ſeinem gewöhnlichen zierlichen und tänzelnden Schritt der Thür näherte und noch vor derſelben ſtehen blieb, um dem Fürſten eine regelrechte Verbeugung zu machen.

Aber kaum war die Portieère hinter Cobenzl niedergefallen, als Potemkin wie ein Raſender vorwärts ſprang, mit wilden Sätzen den Salon durcheilend und in ſein Schlafzimmer ſtürzend. Zu dem Schreib⸗ ſecretair, der da neben ſeinem Bett ſtand, hinſpringend, ſchloß Potem⸗ kin denſelben auf, und haſtig einige Chatoullen, die mit Ketten,

Kaiſer Joſeph. 3. Abth. II. 3