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Nein, gewiß nicht, Durchlaucht, ich glaubte es ſei eine Theater⸗ probe, ein—
Ach, der Graf Cobenzl beſchäftigt ſich immer mit Theater und Comödienſpielen*), rief Potemkin lachend. Was für eine Comödie werden wir nächſtens im öſterreichiſchen Geſandtſchaftshötel ſehen?
Oh, ein höchſt intereſſantes Luſtſpiel, Durchlaucht, und ganz neu,
ganz pikant. Es iſt mir aus Frankreich zugeſchickt, und heißt:
„Der geſtürzte Günſtling, oder die Launen des Glücks.“ Oh, vrai- ment, es iſt ein höchſt pikantes, amüſantes Stück, dieſer geſtürzte Günſtling, die Franzoſen verſtehen ſich darauf ſo etwas zu machen!
Potemkin ſtutzte, und ein blitzartiger, forſchender Blick ſeiner großen Augen traf das Antlitz des Grafen. Und wo ſpielt dieſes pikante Stück? fragte er haſtig.
Wo? Wahrhaftig, das weiß ich nicht! Ich glaube da unten in der Tartarei, oder am mongoliſchen Hof, oder—
Oder im Mond, rief Potemkin lachend. Laſſen wir das Comödien⸗ ſpiel, beſchäftigen wir uns ein wenig mit der Wirklichkeit, und vor allen Dingen ſetzen wir uns!
Potemkin warf ſich mit ungenirteſter Nachläſſigkeit auf den Divan nieder, und verhinderte dadurch Graf Cobenzl ſich neben ihn zu ſetzen. Derſelbe nahm alſo mit ruhigſter Gelaſſenheit auf dem großen Fau⸗
teuil neben dem Divan Platz, und dabei berührten ſeine Füße ganz
unwillkürlich das lange, breite Band des preußiſchen Ordens. Graf Cobenzl bückte ſich und es aufhebend, reichte er das Band mit einer leichten Verbeugung dem Fürſten dar.
Ach, wirklich, Sie wiſſen nicht, was Sie thun, indem Sie mir dies Band da aufheben, ſagte Potemkin lächelnd. Esiſt Ihr Feind,
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*) Graf Cobenzl war ein leidenſchaftlicher Theaterfreund, und ſchrieb ſelbſt kleine Dramen für das Theater der Kaiſerin von Rußland in der Eremitage, in denen er alsdann agirte. Selbſt als Oeſterreich durch die Feindſchaft Frank⸗ reichs hart bedrängt ward, entſagte Cobenzl ſeiner Lieblingsbeſchäftigung nicht,
und ſo oft eine unangenehme Depeſche in Petersburg von Wien aus anlangte,— 8 veranſtaltete Cobenzl zur Verſüßung derſelben eine theatraliſche Darſtellung, ſo
daß Katharina einſt zu ihm ſagte: was werden Sie uns für ein ſchönes Drama geben an dem Tage, wo die Franzoſen in Wien einrücken?


