Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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III. Der öſterreichiſche Geſandte.

Genau nach zehn Minuten alſo wurden die Thüren geöffnet, und Graf Cobenzl tänzelte mit leichtfüßigem Schritt in den Salon. Po⸗ temkin erhob ſich langſam von dem Divan, auf welchem er, noch als der Graf eintrat, lang hingeſtreckt gelegen. Sein Geſicht drückte die größte Ermattung und Gleichgültigkeit aus, ſeine Augen waren halb⸗ geſchloſſen, als öffne ſie Potemkin eben nach langem Schlaf, und doch hatte Potemkin dieſe zehn Minuten nicht dazu benutzt, um zu ſchlafen, ſondern um ſich das große brillantfunkelnde Kreuz des ſchwarzen Adlerordens anzuheften und das große Band deſſelben— an die Erde neben den Divan fallen zu laſſen.

Es iſt gut, Herr Graf Cobenzl, ſagte Potemkin, den Grafen begrüßend, ſehr gut daß Sie nicht fünf Minuten ſpäter gekommen ſind, denn Sie würden mich alsdann nicht mehr getroffen haben.

Verzeihung, Durchlaucht, ich würde dann nur fünf Minuten in ihrem Vorzimmer gewartet haben, ſtatt daß ich jetzt zehn Minuten dort erdulden mußte! rief Graf Cobenzl laut lachend. Wiſſen Sie, das Antichambriren iſt mir diablement verhaßt, und ich hab's nie⸗ mals recht lernen können und mögen. Alſo wär's gut geweſen, wenn ich ſogar zehen Minuten ſpäter gekommen wäre, denn alsdann würde ich ohne Weiteres gleich zu Ihnen haben eintreten können, um Ew. Durchlaucht meine Aufwartung zu machen.

Nein, ich würde Sie dann nicht mehr empfangen haben, ſagte Potemkin ruhig. Denn ich bin eben im Begriff zur Kaiſerin zu gehen.

Ach, zur Kaiſerin! rief Graf Cobenzl. Deshalb alſo dieſes ordensgeſchmückte Gewand!

Nun, glaubten Sie etwa, ich hätte einen Orden um Ihretwillen angelegt? fragte Potemkin mit ruhiger Inſolenz.

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