Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Nun denn, was bedeutet dieſer Satz, den Se. Majeſtät hier ge⸗ braucht:„der König wird verſuchen, das möglich zu machen, was unmöglich ſcheint?“

Das bedeutet, daß der König erfahren hat, daß Ew. Durchlaucht den Wunſch hegen, Herzog von Kurland zu werden, und daß Seine Majeſtät Alles dazu thun werden, um dieſen Wunſch Eurer Durch⸗ laucht zu erfüllen, daß er den König Stanislaus und die Republik Polen, von denen Kurland als Lehen abhängt, bewegen wollen, es an Ew. Durchlaucht zu übertragen, und daß er dazu beitragen will, den Herzog Biron, der alsdann Kurland verlieren würde, zu ent⸗

ſchädigen, indem er ihm bedeutende Vortheile für ſeine ſchleſiſchen.

Beſitzungen zugeſtehen würde.*) Es bedeutet dieſer Satz ferner, daß der König gern bereit iſt, dem zukünftigen Herzog von Kurland unter den deutſchen Prinzeſſinnen eine Gemahlin zu verſchaffen!

Nun wahrlich, rief Potemkin lachend, dieſer unbeſtimmte und deutungsfähige Satz iſt ſehr reich an Inhalt. Aber der König legt in der That zu viel Werth auf das kleine Herzogthum Kurland, von dem ich nicht behaupten möchte, daß es mir für die Träume meiner Zukunft genügend erſcheint, und welches ich, wenn ich es haben möchte, wohl erlangen und mir zu eigen machen könnte, ohne Se. Majeſtät deshalb bemühen zu müſſen. Was aber die Heirath mit einer deutſchen Prinzeſſin anbelangt, ſo weiß ich in der That nicht, ob meine gnädige Kaiſerin Katharina es wünſcht, daß ich mich vermähle, und ich muß dieſen Punkt von ihr abhängig ſein laſſen. Aber nun erklären Sie mir noch den Schlußſatz! Was verſteht der König darunter, wenn er ſagt, er wünſche mir nützlich und förderlich zu ſein, nicht blos jetzt, ſondern auch in der Zukunft, wo er vielleicht von größerem Einfluß ſein könne, als jetzt?

Graf Görtz ließ noch einmal ſeine Blicke ſpähend und mißtrauiſch in dem Salon umhergleiten, dann neigte er ſich vorwärts, dichter zu Potemkin hin, und ſagte mit gedämpfter Stimme: Se. Majeſtät leiſtet Ihnen in dieſen Worten das Verſprechen, Ew. Durchlaucht in ſo weit mit dem Großfürſten zu verſöhnen, daß, im Fall des Todes den

*) Dohm. Th. I, S. 413.