Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Dies Mal war der Fürſt nicht im Stande, ſeine innere Aufre⸗ gung zu unterdrücken, er zuckte lebhaft zuſammen, und eine tiefe Gluth übergoß ſein Angeſicht.

Wie, fragte er haſtig und leiſe, beſitzt der König die Macht, meine innerſten Gedanken zu leſen, und—

Er vollendete ſeinen Satz nicht, ſondern ſprang auf und ging mit großen Schritten einige Male auf und ab.— Graf Görtz war gleichfalls aufgeſtanden, und folgte den Bewegungen Potemkins mit ſtillen, beobachtenden Blicken.

Hat Ihnen der Courier aus Berlin gar keine Briefe für die Kaiſerin mitgebracht? fragte Potemkin dann, indem er vor dem Ge⸗ ſandten ſtehen blieb.

Ja, Durchlaucht, ein eigenhändiges Schreiben des Königs an die

Czarina, das ich indeſſen erſt übergeben ſollte, wenn ich das Glück gehabt, Ew. Durchlaucht zu ſprechen, und Sie mir die Zuſtcherung Ihres Beiſtandes gegeben.

Potemkin nickte lebhaft mit dem Kopf. Und wann iſt der Allianz⸗ tractat zwiſchen Rußland und Preußen abgelaufen?

In einigen Wochen, Durchlaucht. Aber es wäre wünſchenswerth, ihn ſchon jetzt zu erneuern, und ihn der Kaiſerin baldmöglichſt zur Unterſchrift vorzulegen, damit ſie durch ihr Wort gebunden iſt, und die gefährliche Anweſenheit des Kaiſers von Oeſterreich unſere Allianz nicht zu zerſtören vermöchte.

Sie haben Recht, rief Potemkin lebhaft, man muß das Eiſen ſchmieden, ſo lange es noch heiß iſt, und da Ihr mich zu Eurem Schmidt auserſehen, nun wohl, ſo will ich Euch den Willen thun. Es muß Alles ſo raſch wie möglich geſchehen. Ich werde noch heute, oder vielmehr ſogleich zur Kaiſerin gehen, und ſie vorbereiten. Kommen

Sie alsdann in einer Stunde und begehren Sie eine Audienz, um Ihro Majeſtät das Schreiben Ihres Königs zu übergeben, und ver⸗ anlaſſen Sie den Grafen Panin, in deſſen Reſſort die Ausführung