Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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und das Siegel erbrechend, ſchlug er langſam das Papier auseinander. Dann, nachdem er mit flüchtigen Blicken die Zeilen überflogen hatte, reichte er das Papier dem Grafen Görtz dar.

Se. Majeſtät ſchreibt eine etwas undeutliche und unverſtändliche Handſchrift, ſagte er, ich bitte Sie daher, mir gütigſt dies Schreiben Ihres Souverains vorzuleſen.

Graf Görtz, die Abſicht Potemkin's ſehr wohl begreifend, ihm den Inhalt des königlichen Briefes mitzutheilen, nahm das Papier und las mit lauter Stimme, und langſam genug, um jede Phraſe ihre gehörige Wirkung thun zu laſſen, dieſes ſo überaus ſchmeichel⸗ hafte und freundliche Schreiben des Königs an den Fürſten Po⸗ temkin.

Der König begann ſeinen Brief damit, daß er behauptete, er dürfe nach vielfachen und genügenden Beweiſen gar nicht bezweifeln, daß der Beſuch des Kaiſers von Oeſterreich nichts Anderes bezwecke, als die beſtehende Verbindung zwiſchen Preußen und Rußland auf⸗ zulöſen und ein neues Soſtem der Politik zu ſchaffen. Alsdann er⸗ ging ſich der König in großer Extaſe über das erhabene Genie des Fürſten, und bat ihn, die Sache Preußens zu unterſtützen und des Königs Intereſſen bei jeder Gelegenheit aufrecht zu halten. Dafür verſprach Friedrich wiederum dem Fürſten in jeder Bezichung beizu⸗ ſtehen, und ihm, wo und wie er es wünſche, nützlich und förderlich zu ſein, nicht bloß jetzt, ſondern auch in der Zukunft, wo er vielleicht von größerm Einfluß ſein könne als jetzt.“*)

Eine lange Pauſe trat ein, als der Graf zu Ende geleſen. Po⸗ temkin hatte ſich in den Divan zurückgelehnt, und ſeine großen Augen zu dem reichbemalten Plafond emporgerichtet, ſchien er ſinnend den Inhalt dieſes Briefes zu überlegen.

Da ſind einige Phraſen, die ich nicht verſtehe, ſagte Potemkin dann, und für die ich um einige Erklärungen bitten möchte.

Ich bin beauftragt, Ew. Durchlaucht alle die Erläuterungen zu geben die Sie nur wünſchen mögen.

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Dieſer Brief iſt hiſtoriſch, und ſein Inhalt findet ſich angegeben in von Denkwürdigkeiten, Th. I, S. 412, und v. Raumer, Beiträge zur neuern Th. V, S. 435.

ſeph. 3. Abth. II. 2