Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

II. Der preußiſche und der öſterreichiſche Geſandte.

Fürſt Potemkin blickte dem Polizeiminiſter mit düſtern Blicken nach, und da er ſich jetzt allein und unbeobachtet fühlte, ſank er wieder auf den Fauteuil nieder, es verſchwand der ſtolze Ausdruck von ſeinem Antlitz und finſtere Wolken lagerten ſich auf ſeiner Stirn.

Es geht etwas hier vor, murmelte er in ſich hinein, eine In⸗ trigue iſt im Werk, und meine Feinde hoffen mich zu ſtürzen. Ich ſah das geſtern an den freudeleuchtenden Augen Panin's. Oh, dieſer Panin iſt mein Feind, und ich haſſe ihn faſt ſo ſehr wie ich den Alexis Orloff haſſe. Ich weiß, daß ſie mein Verderben ſinnen, daß ſie nichts unverſucht laſſen, mich zu ſtürzen! Ein Glück für mich, daß Orloff nicht hier iſt, daß er mit ſeiner perſönlichen Gegenwart nicht die Pläne des Grafen Panin unterſtützen kann! Jeden für ſich allein fürchte ich nicht, aber wenn ſie Beide zuſammen ſind, dann iſt Orloff die geladene Piſtole, Panin die brennende Lunte, und der

Schuß wird fallen und mein Haupt zerſchmettern!

Und als höre er ſchon jetzt das Fallen dieſes Schuſſes, ſo ent⸗ ſetzt ſprang der Fürſt empor und faßte mit ſeinen beiden Händen nach ſeinem Haupt. So ſtand er eine Weile unbeweglich, bleich, mit großen Augen in das Leere ſtarrend, mit keuchendem Athem da. Aber dann allmälig verſchwand die Spannung aus ſeinen Zügen und ein mattes Lächeln glitt darüber hin. Er ließ die Arme von

ſtuhl zurück.

Noch fliegt die Kugel nicht, murmelte er leiſe. Sie ſteckt noch in der Kanone, und man muß daher bedacht ſein, ſie in ihrem Lauf zu vernageln. Die Kanone Orloff zu vernageln, ah, das iſt ein glücklicher Gedanke! Aber freilich, man kann eine Kanone nicht ver⸗

ſeinem Haupt niedergleiten und ſank langſam wieder in den Lehn⸗

nageln, wenn man ſie nicht hat, und Orloff iſt nicht hier, er hat

1 3 d e! ei

ſ d

4