Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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Was meldet er? Schlimme Botſchaft, Sire. Das Volk empört ſich, es ſchreit laut gegen die Conſecription und gegen die kirchlichen Reformen. Es droht laut mit Abfall und Empörung, wenn die neuen Geſetze nicht wieder abgeſchafft werden.

Der Kaiſer ſtieß einen lauten Schmerzensſchrei aus, und drückte ſeine beiden Hände auf ſeine Bruſt. Es iſt nichts, ſagte er dann nach einer Pauſe, als er den angſtvollen, fragenden Blicken des Ca⸗ binetsraths begegnete, ein zufälliger, vorübergehender Bruſtſchmerz, weiter nichts! Fahren Sie fort in Ihrem Bericht!

Sire, ich bin zu Ende. Dies iſt die ganze Meldung des kaiſer⸗ lichen Statthalters. Er beſchwört Ew. Majeſtät, den Aufruhr im Keim zu erſticken, und

Und meine Geſetze und Erlaſſe zurückzunehmen, nicht wahr? unter⸗ brach ihn der Kaiſer ruhig. Oh, ich kenne das, es iſt das alte Un⸗ kenlied, das ich jetzt von allen Seiten vernehme! Nun, ich will mir's überlegen, und werde Sie nachher rufen, um Ihnen meinen Entſchluß mitzutheilen!

Aufruhr in Tyrol, Aufruhr in Ungarn und in den Niederlanden, ſagte der Kaiſer leiſe vor ſich hin, als er wieder allein war. Sie läuten von allein Seiten meine Todtenglocken! Sie wollen mich begraben, noch ehe ich todt bin! Kaiſer Carl der Fünfte, mein großer Ahn, ſchaute auch ſeinem Begräbniß zu, aber er that's, freiwillig, mich wollen ſite dazu zwingen durch Aufruhr und Rebellion. Ich ſoll Alles begraben, was ich gewollt, gewirkt und erſtrebt habe, ich ſoll ſterben mit dem Bewußtſein, umſonſt gelebt zu haben! Oh, mein Gott, welche Qualen ſind dies, und wodurch habe ich denn ſolche Demüthigung verdient? Was habe ich denn verſchuldet, daß ich ſo furchtbar büßen muß? Und muß ich denn, giebt es kein Rettungs⸗ mittel für mich? Muß ich, oh, mein Gott, muß ich widerrufen?

Er ſchwieg, und verſank tiefer in ſich ſelbſt, und überdachte angſt⸗ voll und ſchmerzensreich ſeine Lage. Und immer bleicher ward ſein Angeſicht, immer düſterer ſein Blick, immer ſchwerere Seufzer hoben ſeine beklemmte Bruſt.

Ja, murmelte er nach einer langen Pauſe leiſe vor ſich hin, ich habe kein anderes Mittel mehr, ich kann mein Werk nicht vollenden,