166 erbleichte, es arbeitete und zuckte in ſeinem Angeſicht, und Ströme von Thränen entſtürzten plötzlich ſeinen Augen.
Ja, Sire, ſagte er leiſe, ſie iſt gefährlich.
Joſeph's Angeſicht blieb vollkommen ruhig und klar. Können Sie mir mit Beſtimmtheit ſagen, wie viel Tage oder Wochen ich noch zu leben habe? fragte er.
Nein, Sire. Es kann noch ſchnell zu Ende gehen. Dieſe Krankheit iſt eine von denen, wo Patienten jeden Augenblick ihrem Tod entgegen ſehen müſſen.
Unheilbare Bruſtkrankheit, nicht wahr? fragte der Kaiſer ruhig.
Ja, Sire, flüſterte Quarin unter Thränen, unheilbar.
Der Kaiſer ſchwieg einen Moment und blickte ernſt und ſinnend vor ſich hin. Dann reichte er mit einem ſanften Lächeln dem Arzt ſeine Hand dar. Ich danke Ihnen, mein Freund, ſagte er, danke Ihnen aus tiefſter Seele, daß Sie mir die Wahrheit geſagt haben. Ich werde Ihnen beweiſen, daß ich dankbar bin, und Ihre Treue und Wahrheitsliebe gern belohnen möchte.*) Sie haben Familie,
nicht wahr?
Ja, Sire, zwei Töchter!
Und Sie ſind nicht reich?
Sire, das Gehalt, welche und meine Praxis ernähren uns reichlich.
Der Kaiſer nickte leicht mit dem Kopf. Beſtellung von mir zu übernehmen, ſagte er, Schreibtiſch zuwandte, nahm er die Feder und Papier haſtig einige Zeilen.
Nehmen Sie, Doctor, ſagte er dann, dem Arzt das Papier dar⸗ reichend, haben Sie die Güte, dies Blatt in meiner Hofkanzlei bei dem Finanzbureau abzugeben. Man wird Ihnen zehntauſend Gulden dafür zahlen. Das iſt die Ausſteuer Ihrer Töchter.
Oh, Sire, rief der Arzt tief bewegt und mit zitternder Stimme, ich danke Ihnen, danke Ihnen im Namen meiner Töchter und mit der ganzen Kraft meines Vaterherzens.
*
einige Wochen dauern, es kann die
s mir Ew. Majeſtät gnädigſt geben,
Ich bitte Sie, eine kleine und indem er ſich dem ſchrieb auf ein Blatt
*) Dieſe Seene iſt hiſtoriſch genau, wie auch die Worte des Kaiſers. Siehe:
Hübner II. S. 496.


